Friday, April 22, 2011

April 2011

Die Leerräume zwischen meinen Blogposts sind in letzter Zeit grösser geworden. Es könnte der Eindruck entstehen, dass in Abu Dhabi oder in unserem Leben nicht mehr viel läuft. Das Gegenteil ist der Fall.

In diesen Tagen herrscht noch einmal Hochbetrieb im Gästezimmer. Zuerst beherrbergen wir Franziskas jüngeren Bruder mit Frau und den beiden Töchtern, ab Samstag erwarten wir ihre Schwester. Auch Tim hat sich für einige Stunden in der Wohnung eingenistet. Was angesichts der Besuchersituation von Nina verlangt, dass sie vorübergehend ihre Schlafstatt freigibt und sich Kammer und Bett mit Linda teilt.

Doch der grosse Bruder zieht alsbald weiter. Der Grund für seinen viertägigen Kurztrip in die Wüste ist das jährlich in Dubai stattfindende internationale Eishockeyturnier. Tim stürzt sich noch einmal ins Dress der Abu Dhabi Scorpions. Dafür ist ihm kein Aufwand zu gross. Mit der sperrigen, prall gefüllten Hockeytasche im Schlepp, mit Stöcken und Helmen, reist er an und freut sich auf das Wiedersehen mit Freunden und Teamkollegen der vergangenen drei Jahre.

Es ist April 2011. Weniger als zwei Monate noch bis zu unserer Abreise. Schleichend, beinahe unbemerkt nisten sich die kleinen Verrichtungen zur Vorbereitung des Umzugs in unserer Familienagenda ein. Franziska versucht, gemeinsam mit den Hirschhäusers, ein Abschiedsfest vom Stapel zu reissen. Weiter holt sie Offerten von Umzugsunternehmen ein. Fremde Männer stapfen durch unsere Wohnung, notieren Grösse und Anzahl der Möbelstücke, kratzen sich am Kinn, runzeln die Stirn, bevor sie sich hinter die Rechenmaschine setzen. Immerhin gilt es, den Haushalt einer vierköpfigen Familie von Abu Dhabi nach Winterthur zu verschieben. Inklusive Automobil. Es ist vorgesehen, dass die Zügelwagen in der ersten Juniwoche vorfahren. Unmittelbar nach Lindas Graduation Feier. Dann sticht die Ladung in See, vor Anfang Juli dürfte sie Rotterdam kaum erreichen. Der Strassentrip in die Schweiz ist ein Katzensprung. Bis dann werden wir den ersten Kulturschock überwunden haben...

Ach ja, die ältere der beiden Töchter. Ihre letzten Schultage sind angebrochen. Bald wird sie nicht mehr bei uns wohnen. Linda wird das Land als Erste verlassen. Bereits am Tag nach der Graduation fliegt sie nach Zürich, um gleich anschliessend nach Braunwald zu reisen, wo sie zwei Monate in der Kinderbetreuung eines Hotels arbeiten wird. Ihre Sommerferien werden kurz ausfallen, denn bereits im August gilt es erneut, die Koffer zu packen. Kann gut sein, dass einer nicht genügt. Denn Linda zieht nach Kanada. Nach Vancouver. Zu ihrer grossen Freude (und Überraschung) hat sie von der University of British Columbia (UBC) eine Zusage für ein Psychologiestudium erhalten. Was nicht ganz so einfach ist, denn die Nachfrage nach Studienplätzen an diesem Institut übersteigt das bestehende Angebot erheblich. Wir Eltern freuen uns natürlich ebenfalls, auch wenn es eine seltsam anmutende Vorstellung ist, dass die Tochter zukünftig ihr Unwesen 8335km entfernt von uns treibt. Wo doch manchmal schon 100 Meter zuviel Distanz vom Elternhaus sind...
Damit sind wir die Sorge um den Studienplatz los, dafür ist der Druck aufs Budget leicht gestiegen, und die Aussicht auf eine baldige Pensionierung im gleichen Ausmass gesunken.
Investitionen in die Ausbildung der Kinder gehören zwar nicht zu den rentabelsten, doch die Sinnfrage steht ausser Zweifel. Und die UBC hat uns bislang in jeder Hinsicht überzeugt. Ebenso wie die Kreativität und Inspiration der Studenten und Studentinnen. Ein Beispiel gefällig? Bitte schön.

Tuesday, April 12, 2011

Neue Wohnung

Franziskas Kurztrip in die Schweiz hat sich gelohnt! Wir haben eine Wohnung gefunden! Die Zusage ist soeben, nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Abu Dhabi, in unserem elektronischen Briefkasten gelandet.

Das ist nicht ganz so selbstverständlich, denn bereits bei diesen ersten Schritten wurden wir mit administrativen Herausforderungen konfrontiert. Doch die gute Mutter SWISS hat mich nicht im Stich gelassen. Innert kürzester Zeit besorgten uns fleissige Engel eine Bestätigung des zukünftigen Arbeitsverhältnisses, inklusive der von der Verwaltung gewünschten Salärliste. So zuverlässig eben, wie das nur SchweizerInnen tun...

Damit können wir ab sofort wieder unbeschwert im Internet surfen, losgelöst von der stündlichen Verpflichtung, die neuesten Inputs auf Homegate und Immoscout durchzuscrollen. Frei vom panikmachenden Gedanken, ab Mitte Juli in der Zeltstadt unter der Brücke hausen zu müssen.

Die Bleibe erfüllt die meisten unserer – wie bereits früher angetönt – unbescheidenen Wünsche, und gehörte auf Franziskas abgegraster Liste (7 Wohnungen) zu den beiden Top-Objekten: Terrasse, modern eingerichtete Küche, Tiefgarage und Zimmer, in denen sich mindestens drei Personen gleichzeitig aufhalten können, ohne dabei Sauerstoffmangel beklagen zu müssen.
Es kommt sogar noch besser: In der Stube gibts eine Vorrichtung, um an kühleren Abenden (für uns im Moment noch unter 28°...) ein gemütliches Feuer zu entfachen. Und ganz besonders begeistert uns die Lage: Ruhig und trotzdem lediglich einen Steinwurf von der Altstadt entfernt.
Auch Nina gefällts. Sie, die letztlich in den sauren Apfel beissen, und als letzte Mohikanerin Haus und Herd mit den Eltern teilen muss, erhält viel Platz und Raum. Da wird sich das Nesthäkchen wohl zumindest mit dem nahen, und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossenen, Schulweg trösten können.

Für mich bedeutet dieser Umzug „Zurück zu den Wurzeln“: Ab dem 1. Juli gilt dieselbe Postleitzahl, die ich schon in der Primarschule auf die Adressetiketten gekritzelt habe.
Der Möbel- und Autocontainer wird wohl erst Mitte des Monats in der Schweiz eintreffen. Noch steht unser Hab und Gut in der Wohnung an der Delma-Street. Der Verlad ist auf Anfang Juni geplant. Vielleicht gibts trotzdem einige Nächte im Zelt...


Zu denken gibt mir einzig die Hausnummer: 111!

Doch irgendwann werden auch die bösesten aller Geister vertrieben.

Saturday, April 09, 2011

Auf der Insel

Bereits sind die Ferien wieder zu Ende. Warum gehen sie eigentlich immer so schnell vorbei? Kann es sein, dass Einstein bei einem Ferienaufenthalt zu seiner Relativitätstheorie angeregt wurde? Manchmal fühlen sich sieben Tage an wie ein Wochenende, dann wieder wie eine Ewigkeit.

Die Zeit auf der Insel war herrlich! Auch wenn das Wetter – wer hätte das gedacht – nicht wie gewünscht mitspielte. Die Ausläufer eines mächtigen Sandsturms in Kuwait brachten Wind und Wolken in die Emirate. Wer sein Badetuch oder die Zeitung nicht sicherte, musste sich bald einmal Ersatz suchen.
Zweimal kämpften wir uns um 0700 Uhr aus dem Bett: Für eine Safari und eine Kajaktour in den Mangroven. Das ist nach Bier, mehrgängigem Buffet und Shisha am Vorabend, einfacher gebucht als getan. Mit der Gattin ein Doppel-Kanu zu teilen, verkörpert Eheharmonie in Reinkultur. In ausgereifter Synchronie das Paddel ins Wasser zu setzen, ansonsten antriebsmässige Störungen bis hin zum totalen Kursverlust den partnerschaftlichen Konsens empfindlich stören können.

Nach einigen Tagen auf Sir Bani Yas Island sind wir zurück in Abu Dhabi. Allerdings nur für kurze Zeit. Kaum 24 Stunden nach der Ankunft in der Delma-Street sind Franziska und Tim bereits wieder ausgeflogen. In der Nacht auf Samstag düsen die beiden nach Genf. Tims Ferien sind vorerst vorbei, er wird allerdings in zwei Wochen für das alljährliche, internationale Eishockeyturnier in Dubai noch einmal vier Tage in die Emirate reisen. Mit frisch geschliffenen Kufen ist er vor zehn Tagen aus der Schweiz angereist, die Ausrüstung steht im Keller bereit.

Franziska ihrerseits ist in entscheidender Mission unterwegs. Sie muss in drei Tagen eine Wohnung finden! Die Zeit wird knapp. Sechs Besichtigungen stehen an, dann wird entschieden. Ein bisschen wie Hau den Lukas. Wir hoffen jetzt einfach, dass sie den Hammer richtig schwingt. Etwa so, wie bei ihren Abschlussprüfungen im März in Frankfurt. Nach anderthalb Jahren Fernstudium und drei Seminaren hat sie ihre Grundausbildung zur Buchhändlerin erfolgreich abgeschlossen. Ein Einsatz, der sich zweifellos gelohnt hat und mir – al Hamdullillah – ein kleines Hoffnungsfenster zur frühzeitigen Pensionierung offen lässt...



Wednesday, March 30, 2011

Noch nicht viel besser...

Es steht noch nicht viel besser. Ich bin immer noch im Verzug. Die lausige Sequenz meiner Blog-Posts lässt keine Zweifel offen. Immerhin habe ich gute Gründe: in knapp vier Monaten steht ein Umzug an. Ein Rückzug in alte Gefilde. Back to the roots.

Da hat mir ein treuer Leser ein SMS geschrieben: "Hi Dide, Dein letzter Blogeintrag lautet 'Im Verzug!' Wie geht es weiter?" Deshalb wollte ich einfach mal ein Zeichen setzen. Zeigen, dass ich noch schreibe – nicht nur im Blog übrigens. Aber davon mehr in Bälde.

Zur Zeit sind wir auf Wohnungssuche. Was im Januar ganz gemächlich begann, hat in den vergangenen Wochen rapide an Schwung zugelegt. Einmal, vor wenigen Tagen, wir haben uns bereits am Ziel geglaubt, hat uns jemand in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hätten wir weniger gezögert, die Sache wäre geritzt gewesen. Dabei bin ich extra in die Schweiz geflogen, um einige Objekte zu besichtigen. An einem einzigen Tag, im Schnellzugstempo durch diverse Winterthurer Stuben, Schlafzimmer und Küchen gesaust. Mit Toni und Andrea an meiner Seite, damit ich ja keine Dummheiten begehe. Das Angebot an Mietobjekten in der sechstgrössten Schweizer Stadt ist nicht üppig. Entweder sind die Herbergen zu klein oder zu teuer. Vielleicht sind wir auch einfach verdorben von der sanitären Grosszügigkeit emiratischer Logen. Drei Bäder und vier Toiletten in einer Fünfzimmerwohnung sprengen den Schweizer Standard. Ebenso werden wir Abstriche in der Grösse der Zimmer zu gewärtigen haben. Dafür dürfte die Bau- und Materialqualität über der aktuellen Norm liegen. Eine Terrasse wäre toll. Eine Tiefgarage, ein Cheminée und eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr auch nicht schlecht. Und Haustiere sollten ebenfalls erlaubt sein, damit unsere Wüstenkatze nach so viel Sand auch einmal etwas Schnee zwischen die Krallen kriegt. Wir bleiben weiter dran: An der Wohnungssuche und am Blog! Vorerst gehts für einige Tage ab auf die Insel. Um Energie für den Endspurt zu tanken. Das Resort Sir Bani Yas Island liegt etwa 250 Kilometer westlich von Abu Dhabi inmitten eines Naturschutzgebietes. Es handelt sich um die grösste natürliche Insel der Emirate. Tim hat Ferien und ist aus der Schweiz angereist. Im April gibts nochmals Besuch, im Mai stehen für Nina Semesterprüfungen und für Linda die Abschlussprüfungen an.
Und im Juni....

Wednesday, March 02, 2011

Im Verzug














Ich bin im Verzug. Eigentlich immer. Und jetzt besonders.

Die geplante Rückkehr in die Schweiz fordert ihren Tribut, speziell was Administration und Planung anbelangt. Und auch Franziskas Vorbereitungen für die anstehenden Abschlussprüfungen ihrer Buchhändlerinnenausbildung in Frankfurt tragen kaum zur allgemeinen Entspannung bei.

Dummerweise hat just in diesen Tagen (die Temperaturen steigen langsam wieder gegen 30 Grad) die Klimaanlage unseres sonst so zuverlässigen Prado ihren Geist aufgegeben. Und zwar gründlich!
Wenn ich beim ersten Besuch in der Werkstatt noch gehofft hatte, der Schaden wäre rasch behoben, dann kehrt bereits nach den ersten Sätzen des Mechanikers Ernüchterung ein. Der freundliche Inder macht sonnenklar, dass der Wagen mindestens vier bis fünf Tage, wahrscheinlich eher länger, nicht zur Verfügung stehen würde. Bei seinem Anruf am nächsten Morgen, zwecks Darlegung der Schadensanalyse und Offenbarung der zu erwartenden Rechnung, verflüchtigen sich meine letzten naiven Hoffnungen innert weniger Sekunden. Von Dichtungen und Lecks ist da die Rede, von hoch komprimierten Gasen und defekten Kompressoren. Ich verstehe auf jeden Fall nur die Hälfte, das mag am Dialekt meines Gesprächspartners liegen, an der Qualität der Leitung oder aber an meinen Englischkenntnissen schlechthin. Eines aber kapiere ich trotzdem. Nämlich den Preis: 9900 Dirham! „That’s after the discount“, fügt der Kollege beflissen nach. Aber hier, so muss man wissen, handelt es sich um einen Standardsatz, der lediglich den Schock der überrumpelten Klientele etwas dämpfen soll.

Der Mietwagen bei Budget ist selbstverständlich auch nicht gratis, trotzt Etihad-Rabatt. Aber das Schicksal lässt uns ja keine Wahl. Jeden dritten Morgen fährt Franziska unsere Mädchen und jene unser Fahrgemeinschafts-Partnerfamilien in die Schule. Da vermag mein zweitüriger Volvo keinesfalls einzuspringen. Deshalb fährt Franziska in diesen Tagen Toyota Camry; der Wagen hat immerhin vier Türen, einen anständigen Kofferraum und erst 27 Kilometer auf dem Buckel. Und obendrein riecht es in seinem Innern wie in einer Teppichfabrik.

Und weil wir alle eben ein bisschen im Verzug sind, wurde auch das Postfach schon lange nicht mehr geleert. Das letzte Mal wahrscheinlich im November. Die Box ist denn auch rammelvoll. Etwa so, wie die Berner Eishalle bei der momentan laufenden Playoffserie zwischen dem SCB und den Tigern von Langau. Ich klemme den Umschlags-Stapel unter den Arm und pflastere damit den Esstisch in unserem Wohnzimmer. Bei der Durchsicht der Post beschleicht mich bald einmal das schlechte Gewissen. Zwischen Bank- und Gemeindeunterlagen finden sich Weihnachts- und Geburtstagskarten. Selbstverständlich bis zur heutigen Stunde gänzlich unbeantwortet. Ach wie peinlich!

Deshalb, liebe Freunde und Kollegen, will ich mich für einmal in jovialer Kollektivität auf diesem Weg bedanken: Bei der ZKB, der Post, der Stadler Gemeindebehörde, der BKB, der HSBC (richtig, die Banken sind wieder einmal in der Überzahl), beim lokalen Kommunikationsmonopolist etisalat, bei Tante Marianne wie auch bei der Familie Ledermann in Glattfelden! Gleichzeitig entschuldige ich mich für verpasste Zahlungen und Termine bei der ZKB, der Post, dem mediacampus Frankfurt und der Rechnungsstelle des Luftfahrtmagazins skynews.

Auch wenn sich wohl die meisten der oben genannten Adressaten kaum je auf diese Website verirren werden, so besteht immerhin bescheidene Hoffnung, dass die Wüstenspuren mein schlechtes Gewissen, zumindest schemenhaft, in den emiratischen Sand zeichnen mögen.

Ich bin halt einfach ein bisschen im Verzug...