Friday, November 20, 2009

Von Motoren und Schweizer Uhren

Zum Teufel mit der terrestrischen Antriebstechnik!

Es muss sich um eine Verschwörung handeln. Beinahe gleichzeitig geraten die Antriebsaggregate meines erst vierjährigen C-Klasse Mercedes und des zwei Jahre jüngeren Bootes ins Stottern. „Unnötiger Luxus – selber schuld!“ Ich hör sie schon, die kritischen (teuflischen) Stimmen. Dabei handelt es sich gemäss Fachleuten bei ersterem um ein bescheidenes Modell mit „stierer Grundausrüstung“ (Originalzitat). Dennoch hätte ich in Sachen Zuverlässigkeit etwas mehr erwartet. Erst recht in Sachen Betreuung! Nachdem erst vor wenigen Wochen der Kompressor ersetzt werden musste (stiere Grundgebühr 4000 Franken plus Kosten für Mietwagen 500 Franken), hat sich jetzt der Alternator abgemeldet (1200 Franken). Und die Batterie gleich dazu (400 Franken). Die Mercedes-Leute parieren diese technischen Unzulänglichkeiten mit generöser Gelassenheit. Ihr kundenfreundliches Motto: „Pech gehabt. Kann Ihnen auch mit einem Neuwagen passieren – wenn’s dumm läuft...!“ Ich muss mir jede kleinste Unterstützung mühsam erkämpfen. Erst als ich entnervt bei jenem freundlichen Ägypter vorspreche, der mir seinerzeit das Auto verkauft hat, gelingt es mir, eine Preisreduktion von 30 Prozent durchzuboxen. Schliesslich darf von einer angeblichen Spitzenmarke erwartet werden, dass der Motor nicht bereits nach 70’000km in seine Einzelteile zerfällt. Grundausrüstung hin oder her.

Nicht viel erfreulicher präsentiert sich die Situation beim Wassergefährt. Erst vor wenigen Wochen erstanden, beginnt der Motor aus skandinavischer Manufaktur bereits zu schwächeln. Die Analyse ergibt ein Leck in der Wasserpumpe. Durch das austretende Wasser wird der Alternator beschädigt und in der Folge die Batterie übermässig strapaziert. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Die umfassenden Reparaturarbeiten sind eben erst angelaufen, familieninterne Schätzungen auf der nach oben offenen Kostenskala lassen mich im Moment (noch) kalt.
Offenbar lassen nicht nur die Deutschen nach. Man stelle sich einmal vor, Schweizer Uhrenhersteller würden vergleichbar unzuverlässige Produkte liefern. Die Welt geriete aus den Fugen: (Mercedes- und Volvo-)Manager würden ihre Meetings und Flüge verpassen, Politiker ihre Zielvorgaben. Ehen gingen in die Brüche wie die Mauer vor zwanzig Jahren. Denn ohne exakte Zeitangabe keine Planung, kein pünktliches „Date“, willkürliche Sieger beim Skirennen und hart gekochte Dreiminuten-Eier.

In Anbetracht von so viel Ärger kommt mir die vom Arbeitgeber gebotene Fluchtmöglichkeit nach Melbourne gerade gelegen. Möglichst weit weg – ans andere Ende der Welt. Die Kabinenbesatzung ist so bunt gemischt wie der Inhalt einer Wundertüte: aus Frankreich, Holland, den Philippinen, Australien, China, Indien, dem Libanon, Luxemburg und Montenegro. Die Cockpitkollegen besitzen Pässe aus Kolumbien, Trinidad & Tobago sowie den Philippinen. Und für einmal bin ich nicht der Älteste...
Erfreulicherweise erfüllen die vier Rolls Royce-Triebwerke ihren Dienst zuverlässiger als die Motoren in Auto und Boot. Keine Aussetzer, keine Warnsignale, lediglich eine leicht erhöhte Temperaturanzeige der Triebwerksgondel während des Steigflugs. Wir schaffen es trotzdem bis nach Melbourne. Über viel Wasser und beinahe so viel Land. Unmengen von Kaffee und Tee trinkend, derweil um mächtige Gewittertürme kurvend.
Der Start am späten Abend erfolgt Richtung Nordwesten und führt uns direkt über die Formel 1-Strecke auf YAS-Island. Die Hotels der grosszügigen Anlage sind hell erleuchtet. Mir kommen Erinnerungen ans Rennen vom 1. November. Meine persönliche Formel 1-Premiere. Zusammen mit Mario, am Tag zuvor aus der Schweiz angereist, verfolge ich das Geschehen von der Tribüne aus. Überwältigt vom immensen Geheul und Dröhnen der Motoren, stopfen wir uns die beim Eingang verteilten Stöpsel in die Hörorgane. Die erste Passage des geschlossenen Fahrerfeldes nach dem Start ist beeindruckend. Doch bereits nach wenigen Runden haben wir den Überblick über den Rennverlauf verloren. Nicht weil wir nichts hören, sondern weil wir nicht in der Lage sind, die Namen auf den diversen Monitoren zu entziffern. Viel zu klein sind sie geschrieben. Die Ansagen des Speakers verhallen im Nichts. So tappen wir in Sachen Boxenstopps, Anzahl der noch zu fahrenden Runden und Rangliste im Dunkeln. Nur dank der grosszügigen Hilfe von Chris, der seines Zeichens im frostig-nebligen Zürcher Oberland den Grand-Prix am TV verfolgt und uns im Viertelstundentakt via SMS die Renndaten übermittelt, bleiben wir dran.
Was für eine verrückte Welt. Internet und Mobiltelephone überbrücken Zeit und Distanz und bieten Zugang zu einer unbegrenzten Informationsflut. Wie erfreulich einfach scheint mir da das unten abgebildete Verbotsschild. Gesichtet vor unserem Hotel in Melbourne. Klar, einfach, unmissverständlich: Auf der Treppe darf nicht geraucht werden! Wir haben lange nach dem Grund gesucht. Denn wir befinden uns hier im Freien, abseits jeglicher Wohn- oder Aufenthaltsräume. Wahrscheinlich handelt es sich um den fürsorglichen Versuch, rauchende Passanten vor einem Sturz zu bewahren. In diesem Sinne ist die Weisung als positiv zu werten. Glücklich, wer sich eines solchen Schutzes erfreut...


Friday, November 13, 2009

Ziemlich beschäftigt

Bin in diesen Tagen gerade ziemlich beschäftigt.

Mit Vorbereitungen für meinen halbjährlichen Simulator-Check, mit gemütlichen, aber Energie raubenden, post-mitternächtlichen Weinrunden zusammen mit Freunden aus der Schweiz, mit dem Verfassen von Untersuchungsberichten für kleinere innerbetriebliche Zwischenfälle, mit dem Verdauen des von der Geschäftsleitung nach Erhalt des "Worlds Leading Airline"-Award offerierten Riesen-Kuchens, mit dem Genuss der jeden Tag angenehmer werdenden Temperaturen, mit dem Versuch, meinen Ärger über diverse Warnlampen in meinem gesternten Automobil und den miserablen Service der örtlichen Monopolfachstelle zu überwinden, mit der Suche nach einer geeigneten Rezeptur zur Rekuperation meiner Formel-1 geschädigten Hörorgane und mit der Aufarbeitung der Spielresultate beim "Varsity Soccer Tournament", das hier in Abu Dhabi durchgeführt wird. Leider während meiner Simulator-Einsätze. Die Jungs schlagen sich beinahe so gut wie unsere "U17"-Cracks in Nigeria. Und das will doch etwas heissen...

http://media.acs.sch.ae/groups/emaceventsacs/wiki/4ed12/Varsity_Soccer_Tournament_November_2009.html

Ich wage keine Prognosen, doch der nächste Blog-Eintrag - in Inhalt und Länge etwas üppiger - folgt bestimmt!

Saturday, October 31, 2009

Kairo, Kuwait und nach Chiang Mai

Eben erst sind die beiden Töchter von ihren Volleyballturnieren in Kuwait und Kairo nach Abu Dhabi zurückgekehrt. Während Linda’s Team den zweiten Platz erkämpfte, landete die JV-Equippe mit Nina ganz oben auf dem Treppchen. Eine tolles Resultat, das den Ausflug nach Ägypten erst recht zum einmaligen Erlebnis macht.








Franziska, Tim und ich entschliessen uns kurzerhand, für das Endspiel der Varsity-Girls nach Kuwait zu fliegen. Der Flug an den Nil hingegen, nach Kairo und zurück am selben Tag, erscheint uns als zu aufwendig. Ausserdem spielt Tims Freundin Savannah im selben Team wie Linda, so dass wir mit einem Kuwait-Abstecher, nach Manier des Tapferen Schneiderleins, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, sämtliche Details dieses Tagesausflugs zu schildern. Eines kann ich allerdings sagen: Für Aufregung war genügend gesorgt. Und dies nicht nur wegen des äusserst spannenden und knappen Final-Spiels. Die Tatsache beispielsweise, dass wir beim Besteigen des Flugzeugs in Abu Dhabi realisieren, dass sämtliche Tickets für den Rückflug (via Dubai) immer noch zuhause auf dem Esstisch liegen, ist einer der Gründe dafür. Dank Internet und „Low Cost“-Airline gelingt es uns allerdings, in der Library der American School Kuwait eine entsprechende Buchung bei „Jazeera Airways“ zu tätigen. Der Aufpreis hält sich in Grenzen und erspart uns immerhin die Taxikosten für die Fahrt von Dubai nach Abu Dhabi.
Das Final-Spiel jedoch geht verloren. Dies, nachdem die ACS-Truppe sämtliche Spiele dieses Turniers gewonnen hat. Ohne Satzverlust. Aber Endspiele funktionieren nach eigenen Gesetzen. Da ändern auch die zahlreich angereisten Eltern aus Abu Dhabi nichts. Immerhin sorgen die Mütter nach der schmerzlichen und äusserst knappen Niederlage (22:25 im dritten Satz) für ausreichenden Nachschub von Kleenex-Taschentüchern...











Nach der Rückkehr am vergangenen Sonntag, ist bei Nina bereits wieder Kofferpacken angesagt. Diesmal geht die Reise nach Thailand, genauer nach Chiang-Mai. Im Rahmen des Schulprojekts „Week Without Walls“ verbringen sämtliche SchülerInnen der achten Klasse eine Woche im Norden des Landes.
Allerdings nicht etwa für Strand- oder Badeplausch, die Jugendlichen erwartet vielmehr ein straff organisiertes Wochenprogramm mit zahlreichen Ausflügen und Besichtigungen: Tempel- und Marktbesuche, „Bamboo rafting“ auf dem Mae Wang Fluss, ein Abstecher ins „Lampang Elephant Conservation Centre“, der Besuch einer lokalen Schule, sowie „Rock climbing“ für die ganz Mutigen.















Koffercheck vor der Abreise

Bereits die Anreise verlangt den Achtklässlern und ihrem riesigen Betreuungstrupp alles ab: Nach einem „normalen“ Schultag trifft sich die Reisegruppe kurz nach 15.00 Uhr in der Turnhalle zu einer letzten kurzen Besprechung. Um 17 Uhr rollen die Busse los Richtung Dubai Airport. Dort angekommen bleibt genügend Zeit für Check-In und Abendessen, denn der Start nach Bangkok erfolgt erst um 22.50 Uhr. Landung in der Thailändischen Hauptstadt am nächsten Morgen um 08.05 Uhr, bereits eine Stunde später startet die Maschine nach Chiang Mai. Dann steht eine weitere Busfahrt ins Hotel an, wo die Truppe kurz nach dem Mittag erwartet wird. Wer nun glaubt, dass die Kinder Zeit zum Schlafen hätten, der täuscht. Denn nach Einchecken und einem kurzen Mittagessen geht’s gleich auf zum ersten Tempelbesuch. Ich meinerseits würde mich nach einem Nachtflug dieser Dimension mit Sicherheit einige Stunden aufs Ohr legen. Von Nina erhalten wir nach der Landung in Chiang Mai ein SMS mit folgendem Wortlaut: „Sind jetzt auf dem Weg zum Hotel. Hatten einen anstrengenden Tag hinter uns und alle sind todmüde.“

Was Franziska und mich eigentlich nicht weiter erstaunt. Da stellt sich doch die Frage, wieviel Aufmerksamkeit die Kinder dem geplanten Tempelbesuch widmen werden.
Wie auch immer – die Reise verspricht Spannung. Eltern und Freunde können die Erlebnisse aus erster Hand mitverfolgen. Auch daran haben die Organisatoren gedacht. Die zuständige Lehrerin für IT-Fächer, ebenfalls Mitglied der Reisegruppe, hat speziell für diesen Zweck eine Facebook-Page aufgesetzt.

To join the "WWW Thailand 2009" group, please follow these steps:

1. Go to http://www.facebook.com/p.php?i=100000415902448&k=Z6E3Y5SZPW5E2FLJPB63QTUWV4G1WYWNUWEWEB3DYV&oid=162032966451
2. Log in to (or create) your Facebook account.
3. Click on the "Request to Join Group" link (below our profile photo in the top left corner of the page)

Sunday, October 25, 2009

Canarsie, Streit und Overtime

Was mich seit Beginn unseres Expat-Daseins fasziniert, sind die immer wieder wechselnden Familien-Konstellationen. Zwar leben wir (noch) zumeist gemeinsam in Abu Dhabi, doch vor allem im Sommer und über Weihnachten kommt es in wechselnder Zusammensetzung zur Völkerwanderung. Und manchmal verteilt sich die Familie auch, wenn weit und breit keine Ferien angesagt sind.

Wie am vergangenen Mittwoch etwa; In ihren Team-Trainingsanzügen steigen die Mädchen am Morgen in den Schulbus, der mittlerweile direkt vor unserem Haus anhält. Zwar drücken Nina und Linda bis zum Mittag noch die Schulbank, dann aber rückt der Fokus ausschliesslich auf das Abenteuer „EMAC“. Die Eine fliegt nach Kuwait, die Kleine zu den Pyramiden nach Kairo.
Auf meinem Einsatzplan steht "EY101", was bedeutet, das ich um 08.20 Uhr für den New York-Flug am Airport einchecke. Weil ich in letzter Zeit wenig geflogen bin, will ich den Start und die Landung selber durchführen. Normalerweise sprechen wir uns bei „Ultra-Langstreckenflügen“ so ab, dass sowohl der Captain als auch der Copi je eines der beiden Manöver fliegt. Da die meisten von uns A330 und A340 fliegen (Mixed Fleet Flying), gilt es gewisse Gesetzesvorgaben zu beachten: Innerhalb von 90 Tagen muss jeder Pilot mindestens drei Starts und Landungen selber geflogen haben, davon mindestens einen Sektor auf dem zweiten Flugzeugmuster. Also zwei Starts und Landungen auf A340, und einen Start und eine Landung auf A330 – oder umgekehrt. Bei ungünstiger Einsatzplanung oder Ferienabwesenheit kann diese Restriktion in einzenen Fällen Probleme verursachen.
Keine Probleme macht der Flug nach New York. Wir haben lediglich 79 Passagiere geladen, die sich nach der ersten Mahlzeit mehrheitlich mit dem bordeigenen Unterhaltungsprogramm beschäftigen oder im Schlummerland verlieren.
Der Sinkflug führt uns direkt über Manhattan. Dann weist uns die Anflugkontrolle den eher seltenen, aber fliegerisch interessanten „Canarsie Approach“ auf die Piste 13L zu, der uns vom Meer her über Brooklyn in einem 90 Grad-Winkel zur Pistenachse führt. Es handelt sich um einen VOR-Anflug, bei dem der Gleitweg, also der vertikale Leitstrahl, fehlt. Eine Kette blinkender Lichter weist schliesslich den optimalen Weg für die finale Kurve zum Endanflug. Dumm nur, dass diese weissen Lichter am Tage sehr schlecht erkennbar sind. Da speziell die linke der beiden Pisten 13 durch Flughafengebäude verdeckt wird, ist dieser letzte „Turn“ nicht ohne Tücken. Heute sind die Sichtverhältnisse ausgezeichnet. Mehr als 20 Grad Querlage sind nicht nötig und wenig später zeigt die Nase unseres A340-600 ans richtige Ort. Kurz darauf verlieren 233 Tonnen ihre imaginäre Leichtigkeit, und ein leises, für uns im Cockpit allerdings nicht hörbares, Quietschen bestätigt den Kontakt des Hauptfahrwerks mit der Pistenoberfläche. Die Schubumkehr sowie das „Autobrake System“ auf Stufe 2 sorgen für eine flüssige Reduktion der Geschwindigkeit, so dass wir via Piste 22R zu unserem Parkplatz rollen.



















Anflug über Manhattan













Eindrehen in den Endanflug auf 13L

Die Mädchen in Ägypten und Kuwait, der Vater in Amerika – so sitzen sich Franziska und Tim unvermittelt alleine am Esstisch gegenüber. „Quality time“ für Mutter und Sohn, umso mehr, als auch dessen Freundin mit der Volleyballtruppe verreist ist, und sich ihm so wenig „Fluchtmöglichkeiten“ bieten.

Auch ich lasse es mir gutgehen. Meine Recherchen im Internet haben ergeben, dass am Tage unserer Ankunft die „New York Islanders“ ein Heimspiel gegen die "Carolina Hurricanes" bestreiten. Das Nassau Coliseum liegt nur wenige Taximinuten von unserem Hotel in Garden City entfernt. Zwar muss ich trotzdem hetzen, der Verkehr vom Flughafen nach Long Island erweist sich zu dieser Abendstunde so zähflüssig wie abgekühlte Lava. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt im Bus. Dies, obwohl der beleibte Fahrer die Möglichkeiten seines GPS ausreizt und jede erdenkliche Nebenstrasse nutzt. Immerhin kriegen wir bei der Fahrt durch Quartiere mit stattlichen Vorstadtvillen bereits zahlreiche Weihnachtsbeleuchtungen präsentiert. Nur die Philippinen scheinen da noch schneller, denn als mich Anfangs Oktober ein Arbeitskollege und seine Frau ins Flight Safety-Büro fahren, klingen unentwegt Weihnachtslieder aus der Stereoanlage. Meinen fragenden Blick beantwortet die Dame des Hauses ohne Zögern: Ihr Land wäre ab September auf Weihnachten eingestellt. Sogar der (künstliche) Weihnachtsbaum stünde bereits fertig geschmückt in der Stube. Da bleibt auf jeden Fall genügend Zeit, die Texte der Weihnachtslieder einzustudieren.

Bei mir hingegen wird die Zeit knapp. Das Taxi lässt auf sich warten. Es ist bereits viertel vor Sieben. In einer Viertelstunde wird der Puck zum ersten Bully eingeworfen. Ich freue mich auf „unseren“ Mark Streit, der sich bei den Islanders zu einer wichtigen Teamstütze hochgearbeitet hat. Ob es wohl „Schweizer Discount“ am Ticketschalter gibt? Die Dame schüttelt den Kopf und bietet mir einen Platz für 57 Dollar an. Das Spiel läuft bereits seit wenigen Minuten. Noch während ich für Bier und Hamburger anstehe, gehen die Islanders 1:0 in Führung. Die Sirene heult. Ob’s heute zum ersten Sieg reicht? Bis anhin gingen nämlich sämtliche Partien verloren. Trotz Mark Streit. Ich verziehe mich auf meinen Sitz in bester Lage. Die Halle ist schlecht gefüllt. Kaum habe ich mich auf meinem Klappsitz installiert, lassen auf dem Eis zwei Spieler ihre Fäuste fliegen. Stimmung und Lärmpegel steigen. Dann wird wieder Eishockey gespielt, und es wird ruhiger in der Arena. Ich erkenne Mark Streit mit der Nummer 2 und dem „A“ des Assistenzcaptains auf der Brust. Er kommt oft zum Einsatz und hinterlässt einen soliden Eindruck. Auch wenn er zweimal auf die Strafbank wandert. Das Spiel endet unentschieden und geht in die „Overtime“. Auch nach weiteren fünf Minuten fällt kein Tor. Erst im Penaltyschiessen setzt sich der Heimklub durch. Der erste Sieg der laufenden Saison. Es geht also doch. Mit „doppelter“ Schweizer Beteiligung. Schliesslich habe ich die Islanders auch lautstark angefeuert.
Vielleicht sollte ich einfach mehr nach New York fliegen.

Monday, October 19, 2009

Harte Bandagen

Ich weiss, schon lange nichts mehr geschrieben. Der Wind droht die „Wüstenspuren“ zu verwehen. Dabei gäbe es genug zu berichten, wenn ich denn nur ein bisschen mehr Zeit fände. „Alles eine Frage der Organisation“, flüstert mir der kleine Freund ins Ohr. Der Anfang wird deswegen nicht einfacher. Worüber soll ich schreiben...?

Über den Kauf eines neuen Bootes und dessen Transport von Dubai nach Abu Dhabi? Über den Mega-Ärger mit dem Mercedes? Über die Besuche aus der Schweiz? Oder über die von Franziska und mir forsch in Angriff genommenen Weiterbildungen? Vielleicht ein Wort über die sportlichen Aktivitäten unserer Kinder an der ACS, beziehungsweise über die Geschehnisse rund um die anstehenden EMAC-Turniere? Oder soll ich an dieser Stelle meinen Senf zu den soeben im Schweizer TV angelaufenen „Grössten CH-Hits“ niederschreiben?

Also von allem ein bisschen. Querbeet. Diagonal.
Vor zwei Wochen besuche ich mit Franziskas Bruder Buda in Dubai einen Bootshändler. Dabei verlieben wir uns spontan in „Natasha“. Sie verfügt über Traum-Masse: 24 Fuss Rumpflänge und 275 Pferdestärken. Mit zwei Jahren beinahe noch jungfräulich. Mit meinem Bruder Urs und dem SLS-Kollegen Toni, heute in Emirates-Diensten, verabreden wir eine Probefahrt vor dem Burj Al Arab. Und gestern verschieben der vormalige Boots-Miteigner Peter Lembach und ich die neu erstandene „Sea Beauty“ auf dem Trailer nach Abu Dhabi. Aus „Natasha“ wird „Litina“, die Dubai-Nummer weicht dem Abu Dhabi-Schild. Etwas umständlicher als gedacht gestaltet sich die Registrierung. Den ersten Ämter-Marathon habe ich hinter mir. Die Fortsetzung folgt in den kommenden Tagen.





























Weniger Freude macht mir mein bescheidener C-Klasse Mercedes, Jahrgang 2005. Ein diskretes Rattern unter der Motorhaube hats angekündigt. Dann kommt es knüppeldick. Kompressorschaden – der Ersatz kostet 12'000 Dirham, sprich 3600 Schweizer Franken. Eine Woche fahre ich im Mietwagen des gleichen Herstellers, allerdings B-klassig. Die Nobelmarke mit dem Stern agiert später aber nicht sehr nobel, und will weder für den Mietwagen aufkommen, noch einen Anteil des teuren Kompressors übernehmen. Ich telefoniere mit Vertretern von Werkstatt und Management, koche vor Wut, schäume, laufe über. Schliesslich gewährt man mir zwölf Prozent auf die Gesamtrechnung. Die Kosten für den Mietwagen (500 Franken) werden mit Politur-Gutscheinen im Wert von 170 Franken kompensiert.
Heute – ich verschiebe gerade vom Traffic Department zur Coast Guard – leuchtet es wieder knallrot auf der Instrumentenanzeige: Diesmal deutet die Warnung auf einen Batterie- oder Alternatorschaden. Ich fahre schnurstracks zur Mercedes-Zentrale, wo ich den Empfang links liegenlasse und mich direkt in die Werkstatt vorkämpfe. Der Werkstattchef wirkt betroffen und rät mir schliesslich hinter vorgehaltener Hand, den Batteriewechsel bei einer der vielen kleinen „Hinterhof“-Werkstätten in Auftrag zu geben. Zeitlich schneller und halb so teuer. Zwei Stunden später ist die Sache erledigt; für insgesamt 700 Dirham. Die Originalbatterie allein hätte 1300 Dirham gekostet, den Einbau nicht eingerechnet...

Am Mittwoch fliegen die beiden Mädchen mit ihren Volleyballteams an die EMAC-Turniere (Eastern Mediterranean Activities Conference). Nina reist nach Kairo, Linda verschiebt nach Kuwait. Vier Tage werden sie dort paarweise bei Gastfamilien wohnen und die Farben der ACS verteidigen. Wenn es um solche Sportanlässe geht, scheuen amerikanische Schulen keinen Aufwand. In diesem Fall wird für die Reise gar ein neuer „Track Suit“ mit Schullogo angefertigt. Bezahlen tun natürlich die Eltern, ebenso für den Flug und die Nebenkosten. Durchschnittlich 2000 Dirham pro Teilnehmer. Glücklicherweise findet das Fussball EMAC-Turnier Ende November in Abu Dhabi statt. So sparen wir Tims Ticket, dürfen dafür zwei Jungs anderer Mannschaften bei uns unterbringen.
Doch nicht nur die Schule richtet mit grosser Kelle an, die Eltern verteidigen die Sportlerehren ihrer Sprösslinge hemmungslos und kämpfen mit harten Bandagen. Denn letztlich werden nur je zehn SpielerInnen für die „Traveling Teams“ selektioniert. Für die Team-Members gelten strikte Regeln. Wer mit Alkohol oder beim Rauchen erwischt wird, fliegt sofort aus der Mannschaft. Nun hat Nina dummerweise Fotos von einem Wüstentrip ins Facebook gestellt. Zusammen mit Freundinnen aus der Schweiz pafft sie genüsslich an einer Shisha. Die Bilder stammen allerdings aus dem letzten Schuljahr. Die veröffentlichten Fotos kommen der Mutter oder dem Vater eines nicht im Team aufgenommenen Mädchens trotzdem gelegen. Anonym schickt er oder sie die Bilder an die Schulleitung. Woraufhin Nina kurzerhand ins Büro des sportlichen Leiters zitiert wird. Vorgängig fangen die Verantwortlichen Linda auf dem Schulgelände ab und wollen wissen, wann Nina zum letzten Mal in der Wüste gewesen sei. Die Befragungen der Schulleitung sind fair. Es geht letztlich darum herauszufinden, WANN diese Bilder geschossen wurden. In diesem Fall glücklicherweise VOR dem Beginn der laufenden Volleyballsaison. Die Trainerin stellt sich voll und ganz hinter Nina. Sämtliche Befrager verurteilen diese hinterhältige Anschuldigung. Nina bleibt im Team und kann ihre Taschen fertig packen. Morgen Mittwoch beginnt das Abenteuer. Die beiden Töchter sind vom Volleyball-Virus befallen. Die Spannung ist spürbar. Der Stolz mitzufliegen ebenfalls. Wir sind gespannt auf die Resultate.