Saturday, June 18, 2011

Freitag, 17 Juni 2011 – noch 2 Tage

Liebe WüstenspurenleserInnen: Der Countdown hat begonnen! Noch wenige Tage bis zu unserer Abreise. Hier die letzten Eindrücke stichwortartig im Tagebuchformat.

Der Abend mit Anita und Frank war äusserst gemütlich. Ich bin auch nicht, wie man hätte denken können, beim Apéro eingeschlafen. Es gab gemischten Salat, Lamm mit Knoblauch, Huhn, Baked Potato und Sour Cream (mit Knoblauch), Reis und zum Dessert Vanille- oder Schokoladeeis.

Heute war der erste Morgen dieser Woche, an dem ich nicht entweder durch die Folgen eines Nachtflugs oder den frühmorgendlichen Wecker aus meiner biophysischen Balance gekippt wurde. Dafür schubst mich kurz vor neun die Angetraute an die Schulter und meint verstört:
„Weisst du, was wir total vergessen haben? ...Uns bei der Schweizer Botschaft abzumelden...“

Es mutet ja schon seltsam an: da versuchen wir uns mit allen Mitteln während zwei Tagen aus den Fängen der emiratischen Bürokratie zu winden und vergessen dabei total die Vertretung des eigenen Landes. Ja, lieber Anonymous und crowi – die emiratische Bürokratie ist grenzenlos und manchmal quälend ineffizient. Für jede benötigte Unterschrift wechselt der Kunde den Schalter. Beamte, weiblichen wie männlichen Geschlechts und in der Regel lokaler Herkunft, sitzen stundenlang wenig beschäftigt und unmotiviert auf ihren Hockern, plaudern mit den Arbeitskollegen links und rechts oder beschäftigen sich mit ihren Mobiltelefonen. Ämterbesuche sind ein absoluter Greuel und zeitlich völlig unberechenbar.

Für Nina und Lissy gings gestern noch einmal hoch zu und her. Zwei Freundinnen der Deutschen Schule haben den beiden einen Gutschein zum Spacewalking geschenkt. Franziska fuhr die Mädchen nach dem Mittag in den Country Club. Der Name mag etwas in die Irre führen, doch diese Adresse war absolut korrekt. Nach einer kurzen Einführung und der Umkleide gings in den Windkanal.

Heute Freitag können Franziska und ich die Dinge gemütlicher angehen. Freitag ist Wochenende, da sind die Ämter geschlossen. Meine Frau besucht noch einmal unsere irischen Ex-Nachbarn im Al Qurm Compound. Dann kauft sie im Carrefour einen weiteren Koffer, um sich wenig später mit Claudia Düvel zum Kaffee zu treffen. Claudia wird am 20. Juni an den Flughafen fahren und unsere Katze Bart für den Flug in die Schweiz abliefern. Wir werden zu diesen Zeitpunkt bereits in der neuen alten Heimat weilen.

Am Nachmittag wird gepackt. Umgepackt, ausgepackt, neu gepackt und dazwischen mit Linda in Braunwald geskypt. Nina agiert einmal mehr geschickt und verdrückt sich mit Freundinnen aufs Boot einer kanadischen Familie. Um vier wird mein Volvo abgeholt. Ein Fahrer der Shipping-Company fährt den Wagen nach Dubai, wo er für den Container-Transport vorbereitet wird. Wehmütig blicke ich meinem Gefährt nach. Im Kofferraum lagern zwei riesige, vollbepackte Koffer. Im Schiff gehts nach Rotterdam, anschliessend auf der Strasse nach Winterthur. Das Auto sollte in ungefähr sechs Wochen in der Schweiz eintreffen.

Kurz nach fünf holen wir die Hirschhäusers ab, die mittlerweile ebenfalls ihr Haus geräumt haben und im Hotel wohnen. Wenige Minuten nur entfernt von uns. Wir fahren zur Familie Toubeh, wo wir zu einem Abschiedsapéro eingeladen sind. Ihre Tochter Shireen gehört zum engen Freundinnenkreis von Nina und Lissy. Die Eltern sind Palästinenser. Beide sind Christen, der Vater aufgewachsen in Jerusalem, die Mutter in Nazareth. Die Familie hat viele Jahre in den USA gelebt, bevor sie in die Emirate gezogen ist.
Raghida serviert Käse, Trauben, Nüsse, Bruschetti und Gebäck. Nach zwei animierten Diskussionsstunden verabschieden wir uns. Für wie lange wohl...?

Es ist dies auch der letzte Abend mit Desirée und Jörg. Gemeinsam essen wir noch eine Kleinigkeit in einem Lokal unmittelbar am Meer. Wir setzen uns an einen der Tische im Garten. Es ist heiss und feucht an diesem Juniabend, und auch der Wind vermag keine echte Abkühlung zu verschaffen. Übermorgen werden wir das Land verlassen, wenige Stunden nur vor den Hirschhäusers. Auch sie werden wir vermissen.

Und morgen bricht unser letzter Tag in den Emiraten an...







3 comments:

Michael said...

Vielen Dank für diese Berichte - ich finde sie nach wie vor spannend. Ich würde mir wünschen, das dieses Blog auch in der Schweiz weiterlebt.

ubi cilembu said...

i follow u...follow back please brother

limingli said...

هل أنت يريد أن يكون لها معاطف جميل ذلك؟