Friday, February 27, 2009

Das Schweigen der (Tennis-)Zuschauer

Februar ist in Dubai Tenniszeit. Und ich habe Ferien. Eine beinahe perfekte Konstellation. Doch die Umstände lassen nicht zu, dass ich jeden Tag nach Dubai fahre. Die Besuche in der Tennisarena reichen aber, dass ich mich über das manchmal etwas verwöhnte Verhalten der Tennisprofis ärgere.

Ursprünglich waren regelmässige Ausflüge zu den „Barclays Tennis Championships“ vorgesehen. Zusammen mit meinem Bruder, der aus der Schweiz hätte anreisen sollen. Die Tickets habe ich mir im Vorfeld des Turniers hart erkämpft: mit einer 141 Kilometer langen Autofahrt zum Tennisstadion in Dubai und einer dreistündigen Geduldsprobe in der Warteschlange vor dem Vorverkaufsschalter. Peter hat das Leid mit mir geteilt. Und wir wissen ja, dass Leid teilen auch Leid halbieren heisst. Spontan drängt sich da die Frage auf, wie es sich denn mit der „Geteilten Freude“ verhält. Die, so würde ich meinen, wird in diesem Fall wohl eher zur „Doppelten Freude“, was wiederum den Schluss zulässt, dass sich das "Lottchen" seinerzeit nicht alleine vergnügt hat...
Aus den Ferien meines Bruders wird dann aber leider nichts. Auch nicht aus der angestrebten „Doppelten Freude“. Gefangen im Räderwerk der helvetischen TV-Fabrik ist es ihm nicht möglich, sich in die Wüste abzusetzen. So tingle ich in diesen Tagen weniger häufig als vorgesehen nach Dubai. Während beim Halbfinale und beim Endspiel der Damen noch die ganze Familie dabei ist, begleiten mich fürs Männerturnier nur noch Tim oder Franziska. Für die Mädchen hat sich die Sache mit dem Rückzug von Nadal erledigt. Linda hat andere Wege gefunden und tröstet sich auf "youtube", wo „Rafa“ bei diversen Interviews aus jedem „H“ ein „ch“ macht, von seiner „Fore(c)hand“ spricht und dabei nicht müde wird der Welt zu erklären, wie „(C)Happy“ er über seine aktuellen Erfolge ist.

Doch die (Tennis-)Abstecher nach Dubai sind auch in reduzierter Besetzung echte Aufsteller. Ich liebe die Atmosphäre im Umfeld dieses Sportanlasses. Die Anlage ist fantastisch gestaltet und hat den Charakter eines kleinen Dorfes. Das Stadion ist umgeben von diversen Kleinlokalen, die Spezialitäten verschiedener Länder anbieten und auch für „Nicht Tennis-Zuschauer“ zugänglich sind. Von Fastfood über Sushi, Steaks und Pizza bis hin zu indischen Curries und streunenden Katzen. Letztere werden selbstverständlich nicht verspeist, sondern lediglich verjagt. Bei angenehmen Temperaturen hocken sich die Menschen am Abend unter die Bäume, essen, trinken oder paffen an einer Shisha. Es wird gelacht, diskutiert und natürlich gefachsimpelt (oder heisst es „fachgesimpelt“...?). Wer Lust hat, geht zwischendurch der „Kernbeschäftigung“ nach und verfolgt einen der Tennismatches. Oder zumindest Teile davon.




















Mühe bekunde ich mit dem von den Tribünenhütern übertriebenen Polizisten-Getue. Kein Wort ist erlaubt, nicht einmal flüstern darf man. Schon beginnen sie wild zu fuchteln. Im Grunde genommen sind ja die Spieler schuld, die absolute Ruhe fordern, ansonsten sie sogleich die Arbeit, beziehungsweise den Aufschlag verweigern. Mehr als einmal beobachte ich, wie sich Profis beim Unparteiischen über dieses und jenes beklagen: Zu viel Lärm, zu viel (Blitz)Licht, zu viel Bewegung auf den Tribünen, manchmal löst gar die unbedachte Bewegung eines „Ballkids“ vorwurfsvolles Kopfschütteln oder Fluchen aus. Etwas mimosenhaft, wie mir scheint. Die sollten mal das Gekrächze am Flugfunk hören, wenn wir zu Spitzenzeiten Anflug und Landung vorbereiten. Der nie enden wollende Vokal-Austausch zwischen Controllern und Piloten diverser anderer Maschinen in Flughafennähe stört unsere Konzentration immer wieder in hohem Masse. Ob bei böigem Seitenwind oder starkem Regenfall. Ob bei Nebel oder Gewitterturbulenzen. Ausserdem – so habe ich mir von einem in medizinischen Belangen versierten Fachmann versichern lassen, sieht sich zeitweilig auch ein Arzt mit erhöhtem Geräuschpegel konfrontiert, ohne deswegen gleich das Stethoskop oder das Skalpell verärgert wegzuschleudern. Der wahre Medizinmann sei auch dann in der Lage, kompetent eine Spritze zu setzen, wenn Kinder schreien oder der Grossvater eine Blitzlichtaufnahme fürs Familienalbum knipst.

Was klar belegt, dass sowohl Ärzte als auch Piloten mit einem Mehrfachen an Dezibeln umgehen können. Wahrscheinlich auch Bauarbeiter, Ingenieure – und heutzutage sogar Banker.
Kein Schiedsrichters, der den Mahnfinger erhebt. Niemand, der die ruhelosen Patienten oder die ständig quasselnden Luftverkehrsleiter zum Schweigen auffordert. Und ich habe auch noch nie gehört, dass ein Fluglotse andere Kollegen mit „Quiet please, Etihad 123 is about to land under strong crosswind conditions...“ zur Ruhe gemahnt hätte.

4 comments:

Anonymous said...

leider immer noch gefangen in der fabrik. wäre gerne gekommen. gute gespräche, warmes klima, tennis, gutes essen und dann und wann mal eine sisha, das wärs gewesen. aber eben, geht nicht immer wie man will. anyway störende dezibels finden sich auch in der schweiz genügend. hatte letzte woche, trotz gefüllter halle und dementsprechenden geräuschpegel ein sehr gutes tennisspiel. habe gegen einen r5 den ersten satz knapp verloren und den zweiten gewonnen. ja mit lärm kann ich umgehen, mit dem schläger werd ichs auch noch (ein bisschen besser) lernen........
grezz an alle
üse

Eppler Family said...

Federer out, Nadal out, Roddick out, Davydenko out und schliesslich muss auch Murray wegen einer Viruserkrankung aufgeben. Da passt auch du rein: einer mehr in einer langen Liste von populären Abwesenden...

Alles lacht, hier kommt die Fracht.... said...

Zu der geteilten Freude habe ich hier noch eine nähere Erklärung von meinem Lieblinglesebühnenautor Volker Strübing: http://www.youtube.com/watch?v=4feOL_1dtqI

Vielen Dank für Ihre schönen Geschichten aus dem Morgenland!

Viele Grüße,


Golfox

Eppler Family said...

@ alles lacht hier kommt die Fracht: Jetzt ist mir natürlich alles klar; von wegen geteiltes Leid und doppelte Freude. Entscheidend ist einzig, für beide Begriffe die richtige Zahl einzusetzen, ansonsten die Formel nicht spielt. Was dann wiederum dazu führen würde, dass unglückliche Menschen in Tat und Wahrheit glücklich sind - und umgekehrt...

Gruss