Monday, April 12, 2010

Engine Failure

Ein Hammertitel!

Während "nff" (im Moment in Frankreich in lucullischen Fängen weilend) ab und zu auf sexistische Schlagzeilen setzt, versuche ich es wieder einmal mit einer Überschrift, die, zugegebenermassen, boulevardmässig daherkommt. Doch sie lockt neugierige LeserInnen an wie der Blütenstaub die Bienen. Dabei ist der Titel weder erfunden, noch ungebührlich modifiziert. Das Aggregat hat wirklich seinen Geist aufgegeben. Bei stolzer Drehzahl und in voller Fahrt. Das ist unangenehm, sowohl für die Gäste als auch für den verantwortlichen Kapitän.

Dass es sich in diesem Fall um den Motor meines Boots und nicht um eine Airbus-Turbine handelt, entschärft nicht nur die Manipulationsabläufe vor Ort, sondern auch die Dramatik des Geschriebenen. Ersteres zum Glück, letzteres leider.





























So wars geplant...

Der Volvo Penta gibt seinen skandinavischen Geist nach 40minütiger Fahrt vor den verlockenden Sandstränden von „Bahraini Island“ auf. Ein kurzer Warnton, dann spulen die PS streikmässig koordiniert herunter, und es ist lediglich den Gesetzen der kinetischen Energie zu verdanken, dass wir nicht sogleich bockstill stehen. Hilflos treibt die antriebslose Schale im Wasser, langsam gegen das seichte Küstengebiet driftend und immer wieder unfreundlich von Wellen vorbeifahrender Boote geschüttelt.
Tims schwungvoller Ankerwurf rettet uns vor einem unkontrollierten Strandungsmanöver. Der Wasserspiegel ist am Sinken, in einer Stunde ist Ebbe. Franziska, Brige und Sven richten das (Henkers-)Mahl, schliesslich ist die Kühlbox üppig gefüllt. Wir hatten ja die Absicht, einen geruh- und erholsamen Tag in nautisch intaktem Umfeld zu verbringen. Denkste; den Schweden bekommt die arabische Hitze gar nicht gut. Vielleicht liegts ja auch am salzigen Wasser, doch das haben sie im hohen Norden eigentlich auch. Durchkreuzte Pläne, ich bin sauer, Linda und Nina schmollen, die anderen stürzen sich auf Brot, Wurst und Käse.

Nach einer halben Stunde winken wir ein patrouillierendes Boot der „Coast Guard“ heran. Der Polizist zeigt sich äusserst hilfsbereit. Mag sein, dass er sich an meinen Namen erinnert, schliesslich werde ich ja nicht zum ersten Mal abgeschleppt. Nach wenigen Minuten hängen wir am Seil. Immer noch besser als an der Flasche, denke ich mir und versuche mittels solch humoristischer Allegorien, dem aufkommenden Frust kräftig ans Schienbein zu treten. Obwohl - sollte sich der technische Zustand unseres Bootes nicht bald verbessern, wird der bildhafte Vergleich vielleicht bald zur Realität.
Die Coast Guard schleppt uns mit 600 Pferdestärken und Blaulicht in flottem Tempo Richtung Heimathafen. Das Seil, sonst fürs Tubing verwendet, lässt uns nicht im Stich und hält der Belastung stand. Kurz nach dem Mittag tuckern wir wieder in die Marina. Präziser wäre: „Wir werden getuckert“, denn unser Motor wehrt sich standhaft gegen sämtliche Anlassversuche. Heute ist wirklich nichts zu machen.

Sture Böcke diese Skandinavier!
















































... das ist daraus geworden....

8 comments:

giuliano said...

Da hat wohl das Crew-Planning wieder einmal versagt (am Wochenende)? Immerhin hattest Du einen KTM-Flug zum Niederschreiben!

G! said...

Ich überhitze im Golf schon als Schweizer, drum ist's nur logisch, wenn ein Schwede auch schlapp macht!

Dein Titel wäre erst Boulevard, wenn er falsch wäre...

... und da man als (dienst)junger F/O (ich) von erfolgreichen und altgedienten Schreiberlingencaptains (dir) und -F/Os (nff) lernen soll, kommt mein nächster Beitrag ebenfalls mit einem "interessanten" Titel (ein bisschen nff und Boulevard) - stay tuned! :-)

G!

Eppler Family said...

@giuliano: Richtig! Den KTM hab ich optimal genutzt, in jeder Beziehung... Über das Crewplanning will ich mich an dieser Stelle nicht äussern.

@G!: Na gut, "boulevardmässig" im Sinne von reisserisch und dramatisch. Wahrscheinlich ist nicht jede Boulevard-Schlagzeile falsch.

Was deinen Titel betrifft, so bin ich echt gespannt... Let's rock!

Gruss

nff said...

Bonjour!

Was heisst da sexistisch – aus dem Leben gegriffen ist das :-)

Skandinavier können wirklich stur sein, Skandinavierinnen besonders. Wäre interessant zu wissen, ob du einen Innenborder (weiblich) oder einen Aussenborder (männlich) hast. Bei den skandinavischen Weibchen könnte ich dir ein paar Tipps geben, wie man sie zur Weissglut bringt und so zu Höchstleistungen peitscht.

Au revoir!

Eppler Family said...

@nff: Weiblich, mein lieber Freund, weiblich! Du kannst also aus dem Vollen schöpfen und tiiieeeef in deine persönliche Erfahrungskiste greifen!

Bon appétit!

Dide

Crowi said...

Wurde die Ursache für den Triebwerksausfall schon ermittelt?
Vulkanasche lässt sich wohl definitiv ausschliessen...

Eppler Family said...

@crowi: Richtig, es war keine Vulkanasche, die hat es noch nicht bis in den Mittleren Osten geschafft.
Das Übel lag in einem defekten Benzinpumpen-Relay. Hat ganze zwei Tage gedauert, bis die Mechaniker den Defekt eruiert hatten.

Anonymous said...

ich darf dich boottechnisch ja schon etwas länger begleiten. der start auf dem zugersee ist doch schon einige jahre her. und ich stelle fest, dass du in dieser hinsicht nicht wirklich auf der sonneseite stehst. die pannen wiederholen sich seit jahren in regelmässigen abständen. aber wenigestens autotechisch bleibst du ja von pannen mehr oder weniger verschont ;-) wünsch euch in zukunft trotzdem frohesstunden auf und im wasser. greez üse