Friday, March 27, 2009

Franziska und die Bücher

Der Titel könnte in seiner Form an die Harry Potter-Bände erinnern. Oder an „Emil und die Detektive“. Was absolut passt. Denn es geht um Bücher. Und um Franziska, deren Wirken in der Bücherei der Deutschen Schule immer weitere Kreise zieht.

Vergrösserung
Als sie im Sommer 2007 begann, im dreiköpfigen Frauenteam mitzuhelfen, buk (oder backte...?) die Bibliothek noch kleine Brötchen. Der winzige Abstellraum in der Sporthalle erfüllte seine Pflicht mehr schlecht als recht, doch das damalige Schulgebäude platzte bereits aus allen Nähten und bot keine Alternativen. Dann löste sich das Team auf, die beiden anderen Frauen kehrten in ihre Heimatländer zurück.
Franziska blieb und suchte Verstärkung. Bereits nach kurzer Zeit war das Trio wieder komplett. Doch die Ruhe war nicht von langer Dauer, im Sommer des letzten Jahres wechselte die Schule in ein modernes und grosses Gebäude. Eine einmalige Chance auch für die Bücherei, stand doch nach diesem Umzug ein grosszügiger und perfekt ausgestatteter Raum zur Verfügung. In der Folge wurden neue Bücher angeschafft. Wie es sich für ein deutsches Ausbildungsinstitut gehört, handelte es sich vornehmlich um Werke in deutscher Sprache. Dabei wurden diverse Import-Kanäle genutzt und es kam vor, dass unsere Besuche aus der Schweiz mit ganzen Kofferladungen neuer und gebrauchter Bücher angereist kamen.
Die drei Damen der Bücherei nutzten die Sommerpause vor dem Schulbeginn indem sie stundenlang Bücher aus Kartonschachteln packten, im Computersystem elektronisch erfassten und in die Regale einordneten. Dabei war ihnen jede Hilfe recht, auch wenn sie von unschuldigen und meist willkürlich gewählten Kindern kam.


Hohler
Mit dem Schuljahr 2008/09 beginnt für die Bücherei ein neues Kapitel. Das vergrösserte Angebot, mittlerweile können auch DVD’s und CD's ausgeliehen werden, stösst auf reges Interesse. Immer mehr Kinder nutzen die Mittagspause für einen kurzen Abstecher zwischen die Regale.
Die Bücherei wird zur Mediothek, die drei Damen hinter der Theke zu Fachfrauen.
Franziska möchte die Türen auch für die Erwachsenen öffnen, doch die Umsetzung erweist sich nicht als hindernisfrei. Denn Eltern haben im neuen Schulhaus nur eingeschränkten Zugang. Es braucht viel Geduld und mehrere Gespräche mit Lehrern und dem Schulleiter. Zur offiziellen Erweiterung bietet sich eine ganz besondere Chance: Der Schweizer Autor Franz Hohler besucht auf Einladung des Schweizer Botschafters die Emirate. Franziska gelingt es, den prominenten Besuch für einen Auftritt in der Schule zu gewinnen. Die Botschaft hilft tatkräftig mit, und so wird die „Erwachsenen-Abteilung“ der Mediothek am Abend des 10. Februar mit einer Lesung für Jung und Alt würdig und erfolgreich eröffnet. Rund 100 Gäste wohnen diesem Ereignis bei, darunter der Schulleiter und der Schweizer Botschafter. Franz Hohler liest Geschichten aus seinen Büchern und begeistert dabei Germanen wie Helvetier. Der Anlass wird mit einem Schweizer-Käse-Apéro abgerundet, derweil Hohler Bücher signiert und ungezwungen mit den Gästen plaudert.

Mankell
Jetzt steht die Mediothek sämtlichen Altersgruppen offen. Aufgrund der geglückten Autorenlesung bietet sich eine weitere Möglichkeit. Vom 17.-22. März hat die "Abu Dhabi Book Fair" ihre Tore geöffnet. Franziska schwebt auf Wolke sieben. Mehr als einmal zieht es sie in die weitläufige Halle des „Abu Dhabi National Exibition Centers“, das – al Hamdullihah – lediglich zehn Autominuten von uns entfernt liegt. Sie übernimmt eine Schicht am Gemeinschaftsstand vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD), der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Goethe Instituts und der Deutschen Schule. Sie plaudert, knüpft Kontakte, bestellt zusammen mit Lehrern der Deutschen Schule neue Bücher, und ergattert am Ende der Messe schliesslich sämtliche nicht verkauften Bücher der zwölf von der Frankfurter Buchmesse vertretenen Verlage.
Auch zahlreiche Autoren geben sich ein Stelldichein. Unter anderem unsere Nachbarin Leila Aboulela, eine sudanesische Schriftstellerin, die ebenfalls regelmässig an den Treffen des „Al Qurm Book Club“ teilnimmt.
Über die Deutsche Botschaft und die Frankfurter Buchmesse, die zu 50 Prozent an der „Abu Dhabi Book Fair“ beteiligt ist, gelangt die Anfrage an die Mediothek der Deutschen Schule, einen Anlass mit dem schwedischen Schriftsteller Henning Mankell zu organisieren. Die Idee stösst auf grossen Anklang, die Telefone beginnen heiss zu laufen. Am Vormittag des 19. März schliesslich holt Franziska Henning Mankell, seine Frau sowie seine Agentin in ihrem Hotel ab. Wenig später trifft die Truppe auf dem Gelände der Deutschen Schule ein. Der Schwedische Botschafter ist ebenso anwesend wie sein deutscher Amtskollege. Der einstündige, von Eltern, Lehrern sowie Studenten zweier emiratischer Schulen verfolgte Anlass wird von Schülern der Klassen 9 und 10 moderiert und gestaltet. Mankell berichtet von Stationen aus seinem Leben, und steht geduldig Red und Antwort. Ein äusserst beeindruckender und sympathischer Mann, der trotz seines Erfolgs mit beiden Füssen auf dem Boden geblieben ist. Die Zeit vergeht schnell. Wieder werden Bücher signiert und wieder werden Häppchen gereicht. Die Leute lachen. Alle sind zufrieden.

Der Schulleiter begrüsst den Gast

Gruppenbild mit Damen

Das Leben in der Mediothek geht weiter. Ohne Mankell und Hohler. Dafür mit immer mehr interessierten Schülern und Eltern. Bald wir ein Regal mit Arabischen und Englischen Büchern eingerichtet: Dort wird unter anderem Hohlers erstes und einziges ins Arabische übersetzte Kinderbuch zu finden sein. Oder eine arabische Version des „Michel aus Lönneberga“, der in Schweden übrigens unter dem Namen Emil sein Unwesen treibt. Die arabischen Kinder können sich „Die kleine Raupe Nimmersatt“ ausleihen. Auf Arabisch natürlich. Damit sie ihren Eltern einen kleinen Teil des europäischen Buch- und Kulturverständnisses in die Stube liefern.

Die Arbeit wird den drei Frauen des Bücherei-Teams nicht ausgehen. Denn noch sind nicht alle Regale voll. Es gibt viel auszupacken, einzuordnen – und zu lesen. In der verbleibenden Zeit kämpft Franziska fleissig weiter, den wachsenden Bücherstapel neben ihrem Bett abzubauen. Ich befürchte, dies wird ihr vorerst nicht gelingen.

6 comments:

thalheimer said...

GAnz herzlichen glückwunsch zu all deinen bibliothekarischen Erfolgen! Schon bei Franz Hohler kam mir das Augenwasser und nun noch Mankell!!! Da können wir mit unserem Landbibliothekli grad einpacken...Aber eben, jeder nach seinen Möglichkeiten und Thalheim ist halt nicht AbuDabi, unseren finanziellen Möglichkeiten sind engere Grenzen gesteckt, aber das Herzblut, das wir investieren ist gleichviel und das zählt ja am Ende! Weiterhin viel ERfolg, in der Bibliothek und beim Abbau des Bücherbergs ;-D (was gibts Schöneres, als in neue Bücher einzutauchen?)Grüessli us Thalheim

nff said...

Beeindruckend, was man mit Ausdauer, Begeisterung und liebe zu den Büchern alles erreichen kann - Chappeau!

Hat nicht unser fliegender Literat Viktor S. etwas vom Mankell?

Gruss nff

Eppler Family said...

Liebe Vreni

besten Dank für die Glückwünsche. Es waren wirklich zwei ganz schöne Anlässe. Nur trügt der Schein, zu verdanken hatten wir diese nicht unseren unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten (das Budget für unsere Bibliothek ist ja kleiner als eures in Thalheim), sondern vielmehr halfen uns Zufall, Schicksal, Networking - und ein bisschen Glück...
Franz Hohler wurde von der Schweizer Botschaft nach Abu Dhabi eingeladen, wir mussten lediglich die Honorarkosten übernehmen und diese wiederum wurden im Rahmen der Eröffnungsfeier von der Schule gedeckt. Und Henning Mankell kostete mich das Benzin von seinem Hotel zur Schule und retour. Unser Anlass war Teil des Rahmenprogramms der Abu Dhabi Book Fair.
Und jetzt freu ich mich wirklich, in den erwähnten Bücherberg einzutauchen; mit einigen Schweizer Trouvaillen notabene...

Liebi Grüess a di ganz Familie
Franziska

Eppler Family said...

@nff
Meine Frau lässt sich zwar an der Seite von Mankell abbilden, erstarrt aber vor Ehrfurcht, wenn "nff" einen Kommentar verfasst. Doch lass dir an dieser Stelle ausrichten, dass deine "Hut"-Meldung grosse Freude ausgelöst hat!

Und was den Viktor anbetrifft, so fällt mir die Ähnlichkeit erst jetzt auf. Aber die beiden könnten in der Tat derselben Sippe entstammen.

Gruss
Dide

nff said...
This comment has been removed by the author.
nff said...

neuer Versuch ....

http://www.woz.ch/
artikel/2009/nr15/leben/17747.html
hier berichtet Franz Hohler von seinem Ausflug in die Emirate.