Saturday, October 14, 2006

Into the dunes



Man gönnt sich ja nichts. Und da während des Fastenmonats diverse Motoren mit gedrosselter Leistung laufen, stand uns der Sinn nach Abenteuer und Dünenritt. Den Bruder mit seinem Sohn zu Besuch, wurden wir bei der lokalen Agentur einer renommierten „Adventure-Organisation“ vorstellig und schrieben uns kurz entschlossen für einen abendlichen Trip im Sand ein. Denn noch reichen die eigenen „Skills“ nicht, um sich auf eigene Faust ins Sandmeer zu wagen.
Am späten Nachmittag wurden wir vom Fahrer abgeholt. Zu fünft füllten wir zusammen mit Latif – so hiess unser „Driver“ – knapp den geräumigen Wagen. Den einzigen freien Sitz nutzten wir zur Deponierung von Fotoapparaten und Wasserflaschen. Da Latif jedoch bereits zu Beginn der Fahrt erklärte, dass er am Fasten sei, hatten auch wir uns vor Sonnenuntergang nicht dafür, den eigenen Durst zu löschen.
Wir fuhren aus der Stadt in immer einsamere Gefilde. Schliesslich zweigte der Wagen ab zu einer kleinen Anhöhe, wo bereits drei weitere Geländecruiser mit ihren Passagieren auf uns warteten. Noch schnell Luft aus den Pneus abgelassen und dann konnte es losgehen. Um allfälligen Übelkeitsgefühlen vorzubeugen, steckten wir dem Nachwuchs einen Kaugummi in den Mund. Die vorsorglich mitgebrachten Plastiktüten blieben vorerst im Rucksack.




Dann ging der wilde Ritt durchs Sandmeer los. Der Ritt war nicht nur wild, er war zweifellos auch äussert eindrücklich. Sich die Dimensionen dieser Dünen vorzustellen ist das eine. Eine Fahrt durch dieses unwegsame Gelände selber mit zu erleben das andere. Mal stachen wir steil in den Himmel, dann wieder schossen wir kamikazegleich den Sandhügel hinunter. Wir drehten in den Dünen wie Rennfahrer in den Steilwandkurven von Indianapolis, schlitterten über steile Abhänge. Vollgas und Leerlauf. Mitunter schreckte Latif auch vor dem Gebrauch der Handbremse nicht zurück. Schatten und Licht. Die Sonne schien sich hinter den Sandhügeln zu verstecken, bevor sie plötzlich wieder an einer anderen Ecke auftauchte. Wohl hielt ich den Fotoapparat allzeit in meiner Hand bereit, doch das Schiessen eines Bildes erwies sich in Anbetracht des ruppigen und wenig antizipierbaren Fahrstils unseres Steuermanns als beinahe unmöglich. Zum Glück hielten die vier Wagen in regelmässigen Abständen an und boten auf diese Weise ihren Insassen die Gelegenheit, mit ruhiger Hand auf den Auslöser zu drücken. Vorausgesetzt das Zittern hatte bis dann nachgelassen. Dann wieder zog die zivilisierte Karawane schlingernd weiter, hielt kurz am Rande einer Kamelfarm inne, und genoss wenig später einen traumhaften Sonnenuntergang auf einer Dünenkuppe. Beinahe zu schön um wahr zu sein. Ein Naturschauspiel, wie es eine „Safari und Excursion Organisation“ besser nicht zu inszenieren in der Lage gewesen wäre. Der Kitsch tropfte förmlich in den trockenen Wüstensand und überzog die feinen Körner mit imaginärem Tau. Und kaum sassen wir wieder im Jeep war für Latif die Zeit gekommen, zwischen zwei Dünen das Fasten mit einigen Datteln und wenigen Schlücken Wasser zu brechen. Und weiter ging die rasante Fahrt.



A propos Essen. Das Abendmahl genossen wir in einem idyllischen Wüstencamp. Nach der obligaten Runde auf dem Rücken eines Kamels mit angeschlagener Bandscheibe. Dies zumindest musste aus den dumpfen und röchelnden Tönen geschlossen werden, die das arme Tier jeweils beim Aufladen neuer Passagiere von sich gab. Doch ein echter Wüstenreiter lässt sich nicht so leicht aus dem touristischen Gleichgewicht bringen, Höckerwackeln hin oder her. Das Grillfleisch mundete vorzüglich, ebenso wie die Datteln, der Salat, das im Humus getunkte Fladenbrot und der Reis. Und zum Schluss liessen wir uns alle erschöpft in die bereit gestellten Kissen fallen und pafften wie die Weltmeister an einer Sisha mit Apfelgeschmack. Jung und alt. Ein Stilleben der besonderen Art. Wie überhaupt der ganze Ausflug ein besonderes Erlebnis war. Auch wenn allenfalls die Vermutung aufkommen mag, dass unsere Schweizer Alpen vielleicht doch nicht das höchste aller Gefühle sind. Genausowenig wie Alpenrock und Jodelgesang. Ansonsten würden wir uns durch ein paar Sandhügel und arabische Klänge nicht dermassen beeindrucken lassen. Vielleicht bin ich aber ganz einfach ein Gewohnheitstier wie so viele andere auch, das sich der Faszination des Unbekannten nur schwer entziehen kann.



Die Plastiktüten haben wir übrigens nicht gebraucht. Wie auch immer. In der Wüste waren wir mit Sicherheit nicht zum letzten Mal...

1 comment:

Hirt/Rüedi und co said...

Hallo familie Eppler.
hofentlich war der Sandriht gut.
auch wir haben jetzt einen Blog.

Grüsse Luca Rüedi