Tuesday, March 13, 2007

Ausflüge, Prüfungen und Handwerkskunst

Unser Haus wirkt diese Woche ziemlich verwaist. Die beiden Mädchen befinden sich mit ihren Klassen im Lager der Deutschen Schule in Sandy Beach. Am Sonntagmorgen sind sie losgefahren. Sechs Stunden dauerte die Fahrt im Reisebus.
Sämtliche Kinder der 5. bis 9. Klasse nehmen an dieser „Expedition“ teil. Linda geniesst ausserdem das Privileg, die ersten drei Tage mit der 9. Klasse auf einer Dhow zu verbringen. Da sie das einzige Mädchen in der 8. Klasse ist, wollten ihr die Lehrer wohl ersparen, „umzingelt“ von Jungs eine volle Woche im Strandhotel zu nächtigen.
Unter einer Dhow versteht man eines der traditionellen arabischen Handels- und Segelschiffe wie man sie schon seit Jahrhunderten an den Küsten von Mocambique antrifft. Ursprünglich kamen die ersten Dhows aus Arabien und Indien und trieben Handel mit arabischen Holztruhen sowie mit persischen Teppichen und Gewürzen. Aus Holz gebaut, segelten sie nur mit Hilfe der Monsunwinde den jeweiligen Häfen entgegen.




















Nina logiert vom ersten Tag an in einem Bungalow in Sandy Beach. Ihre Aufregung vor der Abreise war riesig. Aufgekratzt und ungeduldig packte sie ihr Bündel; der erste grössere Ausflug, die erste auswärtige Übernachtung mit ihren Klassenkameradinnen. Linda hingegen reiste mit gemischten Gefühlen und konnte sich nicht so recht begeistern. Kunststück – weder Handy noch Ipod sind erlaubt. Eine knappe Woche also ohne die Vorzüge modernster Kommunikations- und Unterhaltungsmittel. Nicht einfach für eine 14-jährige...
Wir sind gespannt auf ihre Erfahrungen und Berichte.

Auch für Tim erfährt der „normale“ Schulunterricht einen Unterbruch. Bereits in der vergangenen Woche standen die schriftlichen Prüfungen für die Mittlere Reife auf dem Programm. Am Dienstagvormittag drei Stunden Mathe und am Donnerstagvormittag drei Stunden Englisch. Dazwischen hatten die 10.-Klässler frei. Zeit für Erholung und mentale Vorbereitung. Die mündlichen Prüfungen stehen im April an. Nirgends ist das näher rückende Ende dieses Schuljahres so deutlich spürbar wie in der 10. Klasse. Alle vier SchülerInnen werden die Deutsche Schule verlassen müssen. Nach dem Erhalt der Mittleren Reife-Zeugnisse im Mai werden sie das Semester rund drei Wochen vor dem offiziellen Ferienbeginn beenden. Tim ist bereits auf der Suche nach einem Ferienjob in der Schweiz. Vorerst absolviert er allerdings ein einwöchiges Praktikum auf der Schweizer Botschaft in Abu Dhabi. Um 0900 Uhr beginnt sein Arbeitstag. Gewandet in eine lange „anständige“ Hose und ein Hemd.
Offenbar scheint dies eine recht spannende Angelegenheit zu sein. Auch wenn er sich in Geheimniskrämerei übt und immer wieder die Vertraulichkeit seiner Informationen – die er uns natürlich zumeist nicht weitergibt – herausstreicht.

So gehen diese Woche alle Kinder besondere Wege. Für einmal stehen keine Hausaufgaben an. Die Mädchenzimmer sind leer und Tim sehen und hören wir nur selten. Er geniesst die Ruhe und trifft sich zwischendurch mit den Jugendlichen im Compound.




















Zum Glück haben wir den Grossvater zu Besuch! Auch wenn er die häusliche Leere nicht vollends zu kompensieren vermag. Franziskas Vater weilt für zwei Wochen in Abu Dhabi. Bereits zum zweiten Mal zieht es ihn in die Hauptstadt der UAE. Diesmal allein. Es dauert nicht lange, und schon stürzt sich der pensionierte Schreinermeister ins „Übergwändli“ im Stile eines pakistanischen Allround-Handwerkers. Zuerst wird der Gartentisch einer fachmännischen Behandlung unterzogen: Farbe weg, schleifen, malen, ölen. Zum Schutz gegen die Sonne. Daneben werden zu grosse Holzmöbel verkleinert, Rückwände von Bücherregalen entfernt und Haken für Wäscheleinen montiert. Doch wer nun denkt, wir würden die grossväterliche Präsenz für Zwangsarbeit missbrauchen, der irrt. Selbstverständlich bleibt genügend Zeit für Musse, kleine Ausflüge beispielsweise zum Fisch- und Gemüsemarkt am Hafen sowie für kulinarische Höhenflüge im Indischen Restaurant oder zur Not auch einmal im "KFC" (Kentucky Fried Chicken). Und zusammen mit Toni und Andrea ist morgen ein Ausflug in den Oman geplant.
Es geht wahrlich rund in diesen zwei Wochen und Langeweile dürfte mit Sicherheit kaum aufkommen. Die Temperaturen sind ebenfalls am Steigen und erreichen mittlerweile bereits wieder sommerliche Tageshöchstwerte von rund 27 Grad. Die Abende sind angenehm und locken zum Gartenplausch. Und Franziska und ich nutzen die Gelegenheit, uns weiter den Gepflogenheiten des Landes anzupassen. Im weissen Dishdash, hier vielmehr „Kandoora“ genannt, und im schwarzen Abbaya posieren wir vor der Linse. Nun warten wir ungeduldig auf die erste Einladung einer „UAE-National-Familie“ zur Hochzeit oder zum Geburtstag. Aber daraus wird wohl vorerst nichts.




















Last but not least hat mein Arbeitgeber Etihad Airways endlich das lang erwartete neue „Salär-Package“ abgesegnet und vorgestellt. Wirksam wird es auf Beginn April. Die Zeit drängt, denn um die in diesem Jahr angestrebten 190 Piloten anheuern zu können, müssen die Bedingungen – speziell im Vergleich zu den nahen Mitstreitern Qatar Airways und Emirates Airlines – konkurrenzfähig sein. Der Piloten-Markt ist ausgetrocknet, und vor diesem Hintergrund ist es nur schwer nachzuvollziehen, weshalb gut ausgebildete Leute sang- und klanglos ziehen gelassen werden.
Für mich bringen die Verbesserungen ein rund zehn Prozent höheres Einkommen. Bei den Copiloten schaut es gar noch etwas besser aus. Dimensionen, die wir uns von der Schweiz, in der um jedes einzelne Prozent gerungen wird, nicht mehr gewohnt sind. Doch auch im Morgenland gibt es kritische Stimmen, die nach mehr schreien. Und wie der Muezzin werden sie wohl nie verstummen.

2 comments:

Ninas Freunde said...

Halli Hallo

Dide und Franziska man erkennt euch fast nicht mehr mit dieser bekleidung. Ich hab gehört das Nina erst gerade von dem Klassenlager zurück gekommen ist. Nina erzähl mal wie es in dem Klassenlager so ging mit dem Programm usw. Was mir warscheindlich am besten gefallen hätte wäre das Hotel und das Meer gewesen. Und dir was hat dir am besten gefallen. Also ich muss mal ins Bett.
Liebe Grüsse und einen dicken Schmatzer an Nina Grüsst euch
Leana

Anonymous said...

hoi dide

komliment, ist immer wieder interessant deine/eure beschreibungen und kommentare zu lesen. wenn du weiter so viel tennis trainierst wird das nächste "game" zwischen uns wohl mit "umgekehrten vorzeichen" stattfinden :)
gruss aus dem Beo