Saturday, November 13, 2010

Von Wünschen und Optionen

Wenn ich es mir richtig überlege, gibt es kaum ein Hotel auf unserem Streckennetz, das nicht über eine Drehtüre betreten wird. Mit Flügeln aus Glas, die uns mit vornehmem Schwung in die Lobby oder auf die Strasse spülen. Begleitet vom Zischen des Windes, der sich, vermischt mit dem Lärm der Strasse, bei jeder Drehung neugierig und auch ein bisschen unverschämt in den Hoteleingang zwängt.

Wenn ich an einem kalten Wintermorgen, in der Regel mit verschlafenem Blick, ins Freie trete, wird das Säuseln von einem kalten Luftzug begleitet, der mir endgültig die letzte Bettwärme aus den Gliedern scheucht.
Doch heute ist es ungewöhnlich warm. Der kühle Morgengruss bleibt aus. Und dies will so gar nicht zum Bild der gelbrot verfärbten Blätter und der Lichterketten an den Bäumen passen. Die Frisuren der Damen zeugen von einem kräftigen Wind, der durch die Strassen von Chicago bläst. Wir schreiben den 11. November, und ich bin lediglich mit Hemd und einer dünnen Jacke bekleidet. Frieren muss ich trotzdem nicht, gestern Nachmittag hangelte sich das Quecksilber auf die für diese Jahreszeit rekordverdächtige Marke von 20 Grad.

Der Einkaufsbummel an der Michigan Avenue wird zum Frühlingsspaziergang. Dabei schwirren mir tausend Gedanken durch den Kopf. Linda sitzt in diesem Moment im Flugzeug und kommt mir mit jeder Minute ein bisschen näher. Sie fliegt nach Vancouver. Allein. Umsteigen in Toronto. Diese Reise hat sie sich zum 18. Geburtstag gewünscht, der in einem knappen Monat ansteht.
Ihr Freund Nemo studiert an der University of British Columbia (UBC). Nach beinahe drei Monaten Trennung, findet unsere Tochter, sei es höchste Zeit für ein Wiedersehen. Ausserdem, so fügt sie an, wäre es eh ihr Wunsch, später am gleichen Institut zu studieren. Was diesem einwöchigen Sprung über den Ozean und den nordamerikanischen Kontinent beinahe schon Pflichtcharakter verleiht und den Eltern einige Knoten Wind aus den (Argumentations-)Segeln nimmt.
Die Kinder werden eben älter. Und was im Kindergarten oder der Primarschule mit einer Duplo-Schachtel und einer zusätzlichen Kerze auf dem Geburtstagskuchen abgetan war, ruft heute nach einem stattlichen Obolus.
A propos – abrupt aus meinen Gedanken gerissen, finde ich mich unvermittelt im Erdgeschoss des Apple Store an der Magnificent Mile wieder. Tims Laptop ist in die Jahre gekommen. Auch der Sohn feiert im kommenden Monat Geburtstag. Weihnachten folgt auf dem Fuss, das bietet Spielraum für Geschenkoptionen aller Art, die er in diesem Fall gerne nutzt.

Derweilen liegt unsere Rückkehr in die Schweiz nach wie vor im Nebel. Allerdings beginnen sich die Schwaden langsam zu lüften. Unsere Entscheidung naht mit dem Jahresende. Schluss mit der ewigen Tändelei. Die Uhr tickt.
Trotz widersprüchlicher Listen mit Pro’s und Contra’s: Am Ende werden es wohl eh unsere Bäuche sein, die den Ausschlag geben.
Auf jeden Fall habe ich unseren kleinen Zweitwagen dieser Tage zum Verkauf ausgeschrieben, um Raum für fahrzeugspezifische Veränderungen zu schaffen. Wer sein Vehikel mindestens sechs Monate im Ausland gefahren hat, dem wird bei einem allfälligen Import die Warenumsatzsteuer erlassen. Ein durchaus lohnenswerter Gedanke: Die lokale Währung hat über die vergangenen fünf Jahre kontinuierlich an Wert verloren. Ausserdem sind Autos wesentlich billiger als in der Schweiz. Somit wäre die Einfuhr eines in den Emiraten gekauften Wagens ein doppelter Gewinn. Theoretisch zumindest. Grund genug, sämtliche Optionen offen zu halten. Genauso wie in der Fliegerei!




































6 comments:

Selina said...

Hallo aus dem Nachbar-Emirat :-) Bin vor 10 Tagen in Dubai gelandet und bin momentan im training, und werde, wenn alles klappt, ab Ende Dezember CC für Emirates sein ;-) Wollte nur sagen dass ich euren Blog sehr gerne lese, und hoffe dass ihr in Abu Dhabi bleibt (Zu Hause ist's doch viel zu kalt ;-)))) Bin sehr gespannt! Gruss Selina

Eppler Family said...

...falsche Airline Selina...

Wenns nur nach dem Wetter ginge, wär der Entscheid längst klar!
Dir wünschen wir viel Spass und Glück und Geduld und Erfolg, und....

Hab in deinem Blog geblättert, da sind sofort alte Erinnerungen aufgekommen!

Gruss aus der Nachbarstadt
Dieter

Crowi said...

Was geht eher in Erfüllung:
Ein Wunsch?
Eine Option?

Ich würde eher zu letzterem neigen.

Eppler Family said...

Nicht so pessimistisch lieber Crowi...

Crowi said...

:-)
ist was dran: zähle mich eigentlich ebenfalls zur
Glas=halbvoll-Fraktion...

Crowi said...

;-)
bzw.:
...ist was drin.