Thursday, February 14, 2008

Wetter- und sonstige Kapriolen

...oder wie Frauen still frieren und triumphieren...

Endlich!
Heute trage ich zum ersten Mal in diesem Jahr kurze Hosen. Seit gut einer Woche scheint die Sonne wieder und wärmt langsam die Luft. Gerade richtig für unseren Besuch aus der Schweiz, der ein paar Tage bei uns verbringt. Üse, Dides Bruder, und Dennis, dessen Sohn, wagen sich sogar an den Pool, was ich selber noch nicht fertig gebracht habe.































Silvester auf der Grimmialp

Ferien im Schnee
Nach einer herrlichen Ferienwoche übers Neujahr in der Grimmialp, wo wir im Tiefschnee frische Luft und Sonnenschein tanken konnten, kommen wir Anfangs Januar nach Abu Dhabi zurück, um uns wieder in T-Shirts und Shorts zu stürzen. Zu früh gefreut. Eine „Kältewelle“ überrollt die Emirate. Morgens um halb acht liegt die Temperatur regelmässig zwischen 12 und 15 Grad.
Eine Saukälte!

Das klingt jetzt nicht so schlimm, aber wenn man im ganzen Haus Plattenböden hat und keine Heizung ein- sondern nur die Klimaanlage ausschalten kann, wird es schon sehr ungemütlich. Wie sehne ich mich da nach unserem Cheminée in Stadel! Uns bleibt nichts anderes übrig, als Socken zu montieren, uns in lange Hosen zu stürzen und über T-Shirt und Pulli den Faserpelz zu stülpen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich in unserer Familie als sogenannter „Gfröörli“ gelte und meistens ein bis zwei Schichten mehr trage als die anderen. Nichtsdestotrotz schätzen auch andere Familienmitglieder beim abendlichen Fernsehen die hier sehr günstig zu erstehenden Paschmina-Schals.
Einzig Tim, mein sonst so vernünftiger Sohn, will nicht zur Einsicht kommen und marschiert jeden Morgen um sieben in Shorts zum Schulbus. Sein trockener Kommentar auf meine mütterlichen Einwände ist bloss: „Ich bin eben kein Jeanstyp!“ Ach so. Nach ein paar Tagen darf ich dann Nasenspray, Belladonna Globuli und heissen Tee herrichten (und heimlich den kleinen „Ich hab’s doch gewusst“-Triumph geniessen).
Um wenigstens bei der morgendlichen Dusche nicht zu frieren, habe ich ein kleines „Elektroöfeli“ angeschafft. Es bleibt zwar im ganzen Haus bitterkalt, aber zumindest unser Badezimmer ist innert Sekunden herrlich warm. Schliesslich wandere ich nicht in einen Wüstenstaat aus, in dem es 50 Grad heiss werden kann, um dann beim Duschen zu frieren!

Der grosse Regen, die „grossen“ Staatsmänner
Dann kommt der grosse Regen. Mindestens fünf Tage regnet es ununterbrochen. Die Emirate versinken im Wasser. Strassen werden zu Seen und Bächen – der Verkehr bricht immer wieder zusammen. Die tägliche Fahrt zur Schule wird zum Abenteuer. Bei strömendem Regen das Licht einzuschalten ist hier nicht üblich (liegt wahrscheinlich daran, dass strömender Regen generell nicht üblich ist). Diejenigen, die wie ich mit Abblendlicht fahren, sind bestimmt Europäer. Dafür blinkt die Warnblinkanlage bei jedem zweiten Auto, was doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die Unfallrate in diesen Tagen steigt drastisch an.
Amüsieren tue ich mich über eine Frage des „Radio Two“-Moderators, der uns jeden Morgen mit News und Classic Hits begleitet. Er fragt seine Co-Moderatorin, was denn Aquaplaning sei – ihre Antwort: „Eine Sportart!“
Aber ein Unglück kommt selten allein. Am Ende des grossen Regens beehren uns gleich zwei grosse Staatsmänner. Monsieur Sarkosy und Mister Bush.
Um für deren Sicherheit zu sorgen, wird ein grosser Aufwand betrieben. Srassensperren kennen wir ja bereits in Abu Dhabi. Wenn sich ein Scheich verschiebt (eher "verschieben lässt"), stehen bei jeder Kreuzung einige Polizisten, die den Verkehr anhalten, bis der ganze Tross vorbei ist.
Anders bei Mister Bush. Da darf man im Umkreise mehrerer hundert Meter nicht einmal parkieren. Auch nicht an der Deutschen Schule. Mein Auto wollen sie schon abschleppen lassen. Während ich auf dem Sekretariat etwas zu erledigen habe, das ein bisschen länger dauert, erreicht uns der Anruf der Polizei. Glücklicherweise schaffe ich es gerade noch rechtzeitig zurück zum Parkplatz.

Warnblinker
In Dubai greifen die Behörden zu einem ganz einfachen Hilfsmittel. Was Salik (Strassenzoll) nicht schafft, gelingt dem US-Präsidenten im Handumdrehen: Die „Sheikh Zayed Road“ wird für begrenzte Zeit autofrei! Den Besuchstag von Mister Bush erklärt die Regierung kurzfristig und spontan zu einem Feiertag. Schulen und Ämter bleiben geschlossen. Dadurch reduziert sich die sonst übliche Verkehrsflut und das Chaos hält sich, trotz vieler abgesperrter Strassen, in einem erträglichen Rahmen. Unsere Kinder finden es natürlich total unfair, dass ein solcher Feiertag nicht auch in Abu Dhabi organisiert worden ist.
Aber zurück zum Wetter. Nach dem grossen Regen kommt schliesslich der grosse Sandsturm. Das ist nicht weiter schlimm. Die Wäsche bringe ich mit der Hilfe von Romana, unserer Maid, rechtzeitig ins Trockene und auf der Strasse kann ich mich wieder an den vielen, leuchtenden Warnblinklichtern orientieren.
Und jetzt endlich geniessen wir die Sonne wieder. Mit der Wärme kommt zwar auch die Luftfeuchtigkeit zurück. Das bedeutet ab und zu Nebel am Morgen.

Aber das ist nicht tragisch, ich schalte einfach das Licht ein und folge den zahlreichen Warnblinkern.
















Al Qurm Compound im Nebel

2 comments:

G! said...

...und ich dachte beim ersten Bild schon, es habe in Abu Dhabi geschneit ! ;-)

Schön, wenn wir auch so "flexible" und vor allem entschlussfreudige "Herrscher" hätten...

Gruss in die "Kälte" :-)

G!

Anonymous said...

Das fand ich interessant! Auch aus meteorologischer Sicht (Piloten kennen sich da sowieso gut aus)... Jedenfalls ist schon seit längerem ein massiver Kaltluftvorstoss zu beobachten, von Nord nach Süd. Dieser bewegte sich hinunter auf dem Satellitenbild über das östliche Mittelmeer hinaus bis...

Die Türken frieren, die Palästinenser und Israelis, und da unten bei Ihnen haben wir somit das hier beschriebene Resultat mit kalter Dusche und Heizöfeli.

Ja bei uns sind die Herrscher nicht so "flexibel" und ihrer Entschlussfreudigkeit sind Grenzen gesetzt. Somit gibt es auch keine Pyramiden von Gizeh in der Schweiz.
Da haben die Ägypter einen touristischen "Vermarktungsvorteil".

Aber wir haben schliesslich das Matterhorn, die Demokratie und Bundesräte, die mit dem Zug zur Arbeit fahren oder gar zu Fuss ins Bundeshaus marschieren.

Gruss
and keep on bloggin'
crowi