Friday, December 14, 2007

Mitten ins Herz

Ganz unerwartet und kurzfristig angekündigt legten gestern die „Red Arrows“ in Abu Dhabi einen Zwischenstopp ein. Das weltberühmte Akrobatikteam der Royal Air Force befindet sich in diesen Tagen auf dem Rückweg von ihrer „Eastern Arrows“ Tour, die unter anderem vom Triebwerkhersteller Rolls-Royce gesponsort wird. Zufälligerweise fiel dieses Spektakel mit dem 15ten Geburtstag von Linda zusammen. Eine einmalige Gelegenheit, sich als aviatisch geprägter Vater gewinnbringend „in Szene“ zu setzen.

Politischer Sesseltanz
Dem „Networking“ kommt zentrale Bedeutung zu, und zwar im beruflichen wie auch im privaten Umfeld. Christoph Blocher kann seit dem gestrigen Tag ein Lied davon singen. Ausgerechnet er, der auf vielen Ebenen (und mit den Wölfen) tanzt, wurde – dank raffinierter Verbandelung christlich-mittelinker Kreise – unbürokratisch aus der Landesregierung gehebelt. Aber das ist ein anderes Thema und dessen Erwähnung soll den Lesern lediglich demonstrieren, dass wir dank moderner Satellitentechnik auch im Morgenland die jüngsten politischen CH-Polit-Soaps hautnah mitverfolgen. Glücklicherweise befindet sich Abu Dhabi im Osten der Schweiz, so dass wir – trotz drei Stunden Zeitdifferenz – den Anfang der Sessionen nicht verpassen. Die Ereignisse in Bern lassen uns teilweise bis spät in die Nacht vor dem TV-Gerät ausharren, denn „10vor10“ beginnt in Abu Dhabi aus eben genannten Gründen erst um 0050 Uhr.
So genannt „gute Beziehungen“ haben mir letztlich auch zu Informationen zum Auftritt der „Red Arrows“verholfen. Denn die Medien vermeldeten im Vorfeld wenig bis gar nichts. Ich packe die Gelegenheit beim Schopf und verspreche meiner Tochter eine Geburtstagsüberraschung mit Seltenheitswert. „Aus der Luft wird sie (die Überraschung) kommen“, verkünde ich grossmundig, um gleich nachzudoppeln, dass „Hunderte von Zuschauern“ an ihrem Glück teilnehmen würden.

„Überraschung aus der Luft“
Kurz nach 13 Uhr holen Franziska und ich Nina, Linda und ihren Freund Nathan vor der Deutschen Schule ab. Tim steckt noch immer in den mehrtägigen „Final Exams“, den Semesterschluss-Prüfungen der ACS, die jeweils kurz nach dem Mittag beendet sind. Diese Konstellation bietet der gesamten Familie die Möglichkeit zum gemeinsamen Feiern. Zuerst geht’s zu „Mugg and Beans“, einem vor allem von Expats viel besuchten Snack- und Kaffeetreffpunkt in der Innenstadt, dessen Kuchen-, Torten- und Muffin-Auslage so manch fastende Seele ins Grübeln bringt. Während wir auf „Cheesecake“, „Chocolate Mousse Cake“ und „Cookies and Cream Cake“ warten, macht sich das Geburtstagskind über die Geschenke her. Sie strahlt. Auf’s Singen verzichten wir allerdings in Anbetracht der üppigen Besucherzahl. Da strahlt sie noch mehr – zu peinlich wär’s ihr gewesen.


































Geschenkfreuden

Treffpunkt Corniche
Kaum sind die letzten Krümel verdrückt, machen wir uns auf den Weg in die Breakwater-Zone gegenüber der Corniche. Das Wetter zeigt sich einmal mehr von seiner besten Seite, die Temperatur liegt bei angenehmen 27 Grad, und die Sicht an diesem Dezembertag ist aussergewöhnlich klar. Anders als die politische Schweiz, die an diesem Morgen von „neu Bundesrätin“ Evelyne Widmer-Schlumpf über ihren Entscheid aufgeklärt wurde, tappt Linda noch immer völlig im Dunkeln. Während der kurzen Autofahrt, die uns am Emirates Palace vorbeiführt, rätselt sie unaufhörlich weiter. Allerding erfolglos.
Wir lassen uns am Wasser nieder und warten. Mein Informant aus dem Kontrollturm des Flughafens Abu Dhabi ruft mich an, als die neun roten Hawk zur Piste rollen. Wenig später informiert er mich per SMS über die Anflugrichtung und just in dem Moment, als wir den Verband am Horizont entdecken, klingelt mein Handy erneut. „They’re now approaching the Coastline“ – und dann rauscht die tadellose Formation auch schon über unsere Köpfe hinweg. Linda beginnt verschmitzt zu grinsen und hinterfragt gleichzeitig diskret meine Motivation zu diesem Ausflug...































Das lange Warten....
















...bis die roten Pfeile auftauchen!














































Geblendet von der Dezember-Sonne













Doch es bleibt keine Zeit für lange Erklärungen. Fasziniert vom ungewöhnlichen Himmelsballet geniessen wir, gemeinsam mit anderen Zaungästen, die rund 25 minütige Darbietung über unseren Köpfen. Erst als die tollkühnen Piloten sich anstellen, mit Rauch ein Herz, durchbohrt vom obligaten Pfeil, in den Himmel zu stellen, bietet sich mir Gelegenheit, mein Tun zu rechtfertigen. Eine Symbolik, die besser nicht zum Geburtstag passen könnte. Und – Hand auf eben dieses Herz – wem wird denn schon von einer der weltbesten Kunstflugstaffeln eine vergleichbare Geburtstags-Huldigung zuteil.
















Mitten ins Herz

3 comments:

crowi said...

DAS nenne ich eine Geburtstagsüberraschung, "aus der Luft kommend, mit hunderten von Zuschauern".
Wer wäre da nicht gespannt, angesichts einer solchen Ankündigung?

Die Flugakrobatik Vorführung bei bester Fernsicht wäre ja an sich schon ein aussergewöhnliches Geburtstagsereignis gewesen.

Dass dem Event ein an den Himmel geschriebenes HERZ folgte - also das verschlägt mir schlicht die Sprache!

Da brauche ich kein nachträgliches Happy Birthday WÜNSCHEN; das IST und war ein glücklicher Geburtstag!

Anonymous said...

Da kann man nur noch gratulieren zu so einem gelugenem Tag :-)

Fast so sehenswert wie die PS ;-)

cargo only said...

Na Gott sei Dank-da seid ihr ja wieder! Schöne Feiertage.