Friday, December 21, 2007

Es weihnachtet sehr

Heute ist mein letzter Ferientag. Jetzt, wo emsige Engel und umtriebige Weihnachtsmänner dem Jahreshöhepunkt entgegenfiebern, schickt mich mein Arbeitgeber wieder in die weite Welt. Die 18 Tage ohne Einsatz vergingen förmlich wie im Flug – das mag seltsam klingen, doch es entspricht den Tatsachen. Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht für Müssiggang und Familienrunde, doch diverse administrative Erledigungen, ein Hockeyturnier in Abu Dhabi (organisiert und durchgeführt von unserem Club), Spiele mit den „Under 18“ im eine Autostunde entfernten Al Ain und eine Vorstandssitzung sorgten insgesamt für weit mehr Aktivität als vorgesehen.

Driving home for Christmas
In drei Tagen ist Heiliger Abend. In diesen Tagen schweifen meine Gedanken häufig in die Vergangenheit. Die Vor-Weihnachtszeit gehört für mich zu den schönsten Phasen des Jahres. Lichterglanz und weihnachtlich angehauchte Musik in Radio und Einkaufszentren versetzen mich immer wieder in eine besondere Stimmung. Autofahrten durchs regnerisch-dunkle Zürcher Unterland, vorbei an mit Lichterketten bestückten Hausfassaden gehörten früher zum weihnächtlichen Alltag und weckten so manche Erinnerung an kindliche Jahre. Und klang dann noch Chris Rea’s „Driving home for Christmas“ aus den Lautsprechern, war mein kleines Weihnachtsglück komplett.
Diese Stimmungsbilder, die mich über viele Jahre geprägt und in festliche Vorfreude versetzt haben, präsentieren sich hier etwas anders. Sonnenschein statt Regen und Schnee, T-Shirt statt Wintermantel und Wollmütze und Air Conditioning statt Cheminée-Feuer. Doch all diese kleinen Unterschiede vermögen letztlich nicht zu verhindern, dass sich im Laufe des Dezembers so etwas wie Weihnachtsstimmung breitmacht. Auch im „Al Qurm“-Compound werden die Häuserfassaden mit Lichterketten behängt und nach Einbruch der Dunkelheit erkennt man durch die Fenster den einen oder anderen Christbaum. Die vielen amerikanischen Familien in der Siedlung haben nach „Thanksgiving“ begonnen, ihre Eingangstüren mit Kränzen zu schmücken. Bei Carrefour oder Spinneys wurden künstliche Weihnachtsbäume besorgt. Lichterketten und bunter Baumschmuck verwandelten die Tannen dann im Nu in stimmige Weihnachtsbäume.
Auch wir lassen uns nach Wochen, Monaten und Jahren des mitleidigen Lächelns und Zauderns dazu hinreissen, einen dergestaltigen Kunstbaum zu kaufen, denn dieses Jahr wird die ganze Familie den Heiligen Abend gemeinsam in Abu Dhabi feiern. Wohl gibt es in der Stadt Angebote für echte Nordmanntannen, doch dieser Aufwand scheint uns dann doch zu gross. Und Franziska tröstet sich damit, dass sie zumindest unseren Adventskranz selber gefertigt hat...

Wir „basteln“ einen Weihnachtsbaum
So machen wir uns denn eines sonnigen Dezembertages daran, den „Baum“ aus der Schachtel zu nehmen und die vielen „Einzelteile“ sorgfältig zusammen zu stecken: Sämtliche Äste sind farblich markiert, so dass Form und Dimensionen der Tanne nicht aus den Fugen geraten. Gemeinsames „Weihnachtsbaum-Basteln“ klingt ein wenig nach TV-Bastelstunde mit Gerda Conzetti (wird den Lesern meiner Generation wohl noch ein Begriff sein...). Schneller als erwartet steht die „Tanne“ in der Stube, dann drappieren Franziska und die Mädchen Lichterketten und Weihnachtskugeln und wenig später betrachten wir nicht ohne Stolz das stimmungsvolle Werk. Wir mögen kaum warten, bis es eindunkelt und per Stromschienen-Kippschalter die Lichter angezündet werden können. Zusammen mit vielen (echten) Kerzen verzaubern wir auf diese Weise unsere „Wüsten-Stube“ in ein festtägliches Lichtermeer, dass uns letztlich beinahe glauben lässt, die Temperaturen in Abu Dhabi wären um einige Grad gesunken.

















































Weihnachtsbaum-Basteln
















Das stolze Endprodukt

Doch nicht nur unser „Nordmanntannen-Replikat“ versetzt uns in festliche Vorfreude. Nina, die seit längerer Zeit wöchentlich Unterrichtsstunden in einem „Dance-Club“ besucht, darf mit ihrer Gruppe an einer grossen Christmas Show im Auditorium der Britischen Schule teilnehmen. „Winter Wonderland“ – so der vielversprechende Titel der Vorführung, bei der getanzt, gesteppt und gesungen wird, ist gespickt mit unzähligen bekannten Weihnachtsmelodien. Etwa zur gleichen Teit organisiert die Deutsche Schule ihren traditionellen Weihnachtsmarkt auf dem Schulareal. Der Besucherandrang ist derart gross, dass Lebensmittel und Getränke früher als erwartet knapp werden. Wohl zum letzten Mal findet der Markt auf dem Gelände des bestehenden Schulhauses statt, ist doch der Umzug in die neuen Gebäulichkeiten auf den kommenden Sommer geplant.















Winter Wonderland






























Weihnachtsmarkt der DSAD

Eid Al Adha
Dieses Jahr fällt das höchste islamische Fest, Eid Al Adha kurz vor Weihnachten, so dass auch die Muslime mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt sind. Bei diesem Anlass wird die endlich fertig gestellt „Sheikh Zayed Bin Sultan al Nahyan“-Moschee in Abu Dhabi offiziell eingeweiht, und zwar durch keinen geringeren als den UAE-Regenten Scheich Khalifa höchstpersönlich.
Das „Opferfest“ wird zum Abschluss des „Hajj“, der grossen Pilgerfahrt nach Mekka, gefeiert und findet in der Regel etwa 70 Tage nach dem Fastenmonat Ramadan statt. Dabei wird des Propheten Abraham gedacht. Die Gläubigen, die es sich leisten können, schlachten ein Tier, wobei die Behörden im Vorfeld in sämtlichen Medien vor Missbrauch und unrechtmässiger Schächtung gewarnt haben. Nicht selten begegnen uns auf den Strassen Abu Dhabis Kleintransporter, deren Ladeflächen vollgepfercht sind mit Lämmern, die wohl allesamt ihre letzte Fahrt „geniessen“.
Weniger blutig geht es in unserer Küche zu und her. Linda und ihr Freund Nathan frönen dem Brauch des „Plätzchen-Backens“. Unter ihren flinken Händen entstehen Brunsli, Mailänderli, Zimtsterne und gefüllte Lebkuchen. Bei meinem kurzen Besuch in der Schweiz Anfang Dezember habe ich auf Geheiss meiner Gattin in diversen „MM-Filialen“ des Zürcher Unterlandes einige Tonnen Fertigteig erstanden und im Schweisse meines Angesichts nach Abu Dhabi geschleppt. Nur dank gütiger Mithilfe einer gut gelaunten Schalter-Angestellten wurden mir die Übergepäck-Kosten erlassen, ansonsten wären die Kosten für unser Weihnachtsgebäck ins Unermessliche gestiegen und es wäre billiger gewesen, die Guetzli direkt von Teuscher im Privatjet nach Abu Dhabi einfliegen zu lassen.















In der heimischen Backstube

A propos Fliegen: Am 26. Dezember werden Franziska und die Kinder ins Flugzeug steigen und via Frankfurt in die Schweiz düsen. Acht Tage bleiben ihnen, um in der Ferienwohnung im Diemtigtal Schnee, Skifahren und geselliges Beisammensein zu geniessen. Am 4. Januar geht’s bereits wieder nach Abu Dhabi. Und der Vater...? Der verdient weiter einige Dirham; jemand muss ja für die Kosten der Weihnachtsguetzli aufkommen...

5 comments:

Paolo said...

Ich wünsche euch schöne Weihnachten und einen guten Start in 2008!

Paolo

P.S. Ich hoffe auf viele weitere spannende Beiträge in 2008!

nff said...

.... schliesse mich den Wünschen an!

Peter

Anonymous said...

In diesem Sinne frohe Weihnachten ins Warme aus der Kälte :-) schöne Feiertage, wenn auch arbeitend und einen guten Rutsch wo auch immer Sie im Streckennetz von EY unterwegs sein werden.

Eppler Family said...

Wow das geht ja schnell mit den guten Wünschen!

Herzlichen Dank paolo, nff und anonymous! Wir geben sie gerne zurück, in der Hoffnung, dass auch ihr alle über die kommenden Tage einige besinnliche Momente verlebt! Und im 2008 wird sowieso alles nur besser...

Mache mich diese Nacht auf nach New York - in der starken Hoffnung, am frühen Morgen des 24. Dezember wieder in Abu Dhabi zu landen. Schliesslich müssen auch die Blizzards einmal eine Pause einlegen.

Dide

crowi said...

Die Weihnachtsguetzli waren gut! Wieder eine erheiternde Lektüre.

Schöne Weihnachten der ganzen Eppler Family.
Der Weihnachtsbaum auf dem Foto sieht ganz hübsch aus, und bis jetzt ist keine einzige Nadel auf dem Boden zu sehen...