Sunday, August 13, 2006

Abbruch - Aufbruch - Umbruch

posted by Dide

Bruchrechnen gehört mit Sicherheit nicht zu meinen Stärken. Statt mit Zählern und Nennern beschäftige ich mich seit jeher viel lieber mit Genitiven und Nominativen. Doch mit „Brüchen“ aller Art werden wir im täglichen Leben immer wieder konfrontiert. Auch ausserhalb mathematischer Theorien. Glücklich also, wer über einen guten Riecher für den gemeinsamen Nenner verfügt.

Abbruch
In der Nacht auf vorletzten Freitag war ich in die Schweiz gereist. Aus Platzgründen nicht auf dem direktesten Weg, sondern mit Etihad nach München und dann mit der Deutschen Bundesbahn nach Winterthur. Über das Wochenende war der grosse Umzug angesagt. Nicht der fasnächtliche allerdings, nein, vielmehr galt es, das Haus in Stadel zu räumen. Abbruch der Zelte: Die „Mission Abu Dhabi“ ging in die nächste Phase.
Was den Wohnwechsel zusätzlich erschwerte war die Tatsache, dass unsere für diesen Übergang vorgesehene Ferienwohnung im Berner Oberland aufgrund juristischer Ungereimtheiten und in der Folge verzögerter Umbauarbeiten nicht wie geplant bezugsbereit war. So sahen wir uns gezwungen, sämtliche Kisten und Möbel auf zwei Wohneinheiten zu verteilen. Keine der beiden Unterkünfte – dies sei an dieser Stelle eingeschoben – vermag allerdings den räumlichen Bedürfnissen einer fünfköpfigen Familie zu genügen. Die Kombination indes bietet beinahe ungeahnte Wohndimensionen: Das Pyjama in der einen Wohnung, die Unterwäsche in der anderen. Wenig praktisch. Ärgerlich auch wenn man erst am späten Abend realisiert, dass die Bettlektüre im anderen Etablissement abgelegt worden ist. Langeweile kommt kaum auf. Ein Leben aus Koffern mit hohem Anspruch ans Organisatorische. Ich bewundere dabei die beinahe schon provokative Gelassenheit meiner Frau Franziska und erschrecke gleichzeitig ob meiner manchmal beängstigenden Dünnhäutigkeit. Hängt dies womöglich mit den Östrogenen oder dem Testosteron zusammen? Oder gar mit dem Alter? Die Fragen haben ihre Berechtigung, denn sogar der – in juvenilem Sturm und Drang oftmals ungeduldige und launische – Nachwuchs macht freudig mit, zeigt sich motiviert und greift bisweilen gar zu Hammer oder Pinsel. Einzig spontan auftretende Neidereien sorgen kurzfristig für unangenehme Nebengeräusche.

Aufbruch
Nun sind die Zelte in Stadel abgebrochen. Ein letzter Blick in die leeren Räume mutet komisch an. In diesem Haus haben wir die vergangenen 19 Jahre verbracht. Die drei Kinder halfen mit, die anfänglich marginal besetzten Zimmer zu füllen. An diesem Wochenende nun wurden sämtliche Zeugen einer für uns wichtigen Lebensphase aus dem Haus getragen: jedes Spielzeugauto, jede Puppe, jedes Bild und jedes Möbelstück. Nicht aber die zahlreichen Erinnerungen an viele glückliche und weniger glückliche Momente sowie an vielfältige und bereichernde Begegnungen. Ohne die zahlreichen fleissigen Hände hüben und drüben wäre diese Aktion so nicht machbar gewesen. Tausend Dank – ein Wüstenritt ist euch sicher!
Der Aufbruch in ein neues Land und Leben kommt einem Wandel gleich, wie ich ihn in seiner vollen Dimension heute nicht abschätzen kann. Dies wurde mir allein in meinen ersten drei Abu Dhabi-Monaten klar. Die Pläne und Vorstellungen, geschmiedet an diversen Tischrunden in heimatlichen Gefilden decken sich bei weitem nicht immer mit den Realitäten des neuen Landes. Wunschträume verschmelzen mit Fantasien und Hoffnungen. Erst das unmittelbare Erleben des Alltags jedoch bringt uns der Wirklichkeit ein Stück näher. Einer Wirklichkeit, die sich immer wieder neu zu definieren scheint und die individuell sehr unterschiedlich empfunden wird.

Umbruch
So wird denn der Aufbruch gleichzeitig zum Umbruch. Nur wenig bleibt vom Bekannten übrig. Und immer wieder taucht die Frage nach der Richtigkeit des eigenen Handelns auf. Das Leben als Tauschgeschäft gleichsam; Nebel gegen Sonne, Vertrautes gegen Unbekanntes, Bequemes gegen Unbequemes. „Wer nichts wagt, gewinnt nichts“ spricht der Volksmund. Doch dies sagt sich leicht – am eigenen Herd oder in der behüteten Stube. Wir ehemaligen Swissairler sollten es eigentlich besser wissen: „Brüche“ bieten neue Chancen, eröffnen mitunter ungeahnte Möglichkeiten, die wir ohne äusseren Zwang wohl kaum wahrnehmen würden.
Solche und ähnliche Gedanken wälze ich in meinen ersten Tagen im neuen Haus, das in einem Compound liegt, der in seiner verwinkelten Architektur im ersten Moment an eine Ferienanlage erinnert. Im Wohnzimmer herrscht gähnende Leere und darin geführte Telefongespräche erinnern an Durchsagen aus Lautsprechern in Bahnhofs- oder Abflughallen. In den Schlafzimmern stehen die neuen Betten bereit. In der Küche wurden mittlerweile Kühlschrank und Kochherd installiert. Bis auf weiteres kein Internet und kein TV. Da bleibt viel Zeit zum Lesen – oder zum Studium der Manuals und der Unterlagen im „Skybook“. Zwischendurch reichts gar für eine Partie Tischtennis mit Mohammed, einem der „Security officers“ unseres Compounds. Die Frage nach dem Sieger dürfte sich erübrigen...
Wer ob solcher Gedankenspiele nun aber denkt, in mir regten sich Zweifel über mein/unser Tun, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass er oder sie sich täuscht. Selten noch war ich so überzeugt von diesem Entscheid wie heute! Im vollen Bewusstsein, dass sich vieles weiter verändern wird. „For the better or the worse“ – dies zu beantworten, ist zu früh. Aber auch diese Antwort werden wir dereinst bekommen. Ich zweifle nicht daran.
Am 22. August kommt die Familie nach Abu Dhabi. Ein lang ersehnter Moment, auf den ich mich riesig freue.

Thursday, August 10, 2006

New car - new address


posted by Dide
Es hat sich einiges getan! Raus aus dem Haus in Stadel, rein in zwei kleine Wohnungen im Berner Oberland (Familie), und beinahe noch wichtiger - rein ins eigene Haus in Abu Dhabi (ich). Das tönt alles viel einfacher als es in Tat und Wahrheit war oder ist. Darüber werde ich aber später berichten. Denn im Moment fehlt es mir an Zeit und Mitteln: mein Haus ist gähnend leer und verfügt "ufn" (für Laien: until further notice) nicht über eine Internetverbindung! Was insofern nicht weiter schlimm ist, als dass mir dieser Ausnahmezustand Anlass zum Besuch der Starbucks-Filiale in der Stadt gibt. "Caramel Macchiato" und drahtloses Surfen im Netz! Beides hat allerdings seinen Preis. Dennoch, man will ja mit der Aussenwelt verbunden sein.

Last but not least: ein eigenes Auto! Was wiederum die Benutzerrate kollidierender Taxis erheblich zu reduzieren vermag. Ab sofort "cruise" ich selber über die Strassen des Morgenlandes. Welch erhabenes Gefühl. Unter mir ein 165 Liter Tank, mit dem ausgedehnte Wüstentrips auch ohne Esso-Fata Morgana oder Shell-Oase problemlos zu bewältigen sind, und den ich vor Ort zu umgerechnet läppischen 80 Franken bis an den Rand fülle. An einer bedienten Tankstelle notabene.

Tuesday, August 01, 2006

Taxi Crash in Casablanca!

posted by Dide
Mein vorletzter Blog-Eintrag erzählt von allerlei Erlebnissen mit Taxifahrern. Die leidige Geschichte mit den Taxis findet hier eine Fortsetzung. Allerdings keine erfreuliche.
Ich weile beim Verfassen dieses Beitrages immer noch in Casablanca – ihr mögt euch erinnern – zusammen mit meinem Jamaicanischen „Horseshoe-Bezwinger“. Dieser liegt allerdings noch in den Federn, als meine Wenigkeit nach erholsamem Schlaf das Hotel auf eigene Faust verlässt. Dies in der Absicht, an der Corniche – eine solche gibt es anscheinend in den meisten arabischen Städten – zu flanieren. Verhandlungen mit einem Taxifahrer (da sind wir doch schon wieder mitten im Thema...) in der Nähe des Sheraton lassen mich jedoch aufhorchen. Wohl verspricht er, den „Meter“ (= Zähler) einzuschalten, doch seine Anmerkung, diese Fahrt würde mich gut und gerne 100 Marokkanische Dirham kosten, stimmt misstrauisch. Der Ansatz scheint mir eher hoch, dennoch steige ich ein. Ein lapidarer Fehler. Wohl behalte ich den tickenden Zähler im Auge, mir fällt allerdings auf, dass der Fahrer mit seiner rechten Hand immer wieder verstohlen am Kasten herum fummelt. Schliesslich zeigt das Gerät am Ende der Fahrt satte 150 Dirham, was rund 25 Schweizer Franken entspricht. Mir ist sogleich klar, dass dieser Preis nicht stimmen kann, und nach heftiger Diskussion gebe ich dem Mann hinter dem Steuer einen Hunderter – immer noch viel zu viel – und steige murrend aus. Wohl wissend, dass ich wie ein Anfänger übers Ohr gehauen worden bin.
Die Stimmung will ich mir deswegen aber nicht verderben lassen. So schlendere ich der stark belebten Promenade entlang und trinke in einem am Strand gelegenene Café zwei Espressi. Das Meer wirft hohe, unregelmässige Wellen gegen das Ufer, das gesäumt ist von zahlreichen gut besuchten Schwimmbecken und Sportanlagen.
Irgendwann entscheide ich mich, zurück zum Hotel zu fahren, denn ein einladendes Restaurant lässt sich auch nach ausgiebiger Suche nicht ausmachen. Also springe ich ins nächste Taxi. Wir sind gute drei Minuten auf einer vierspurigen Ausfallstrasse unterwegs, da kracht es gewaltig und ich sehe ein schwarzes Teil an meinem Fenster vorbeifliegen. Instinktiv ziehe ich meinen Kopf ein. Bevor ich realisiere was geschieht, beginnt unser Taxi zu schlingern und dreht sich in zügigem Tempo mehr als 90 Grad nach links, um gleichzeitig gegen einen Wagen auf der angrenzenden Fahrspur zu schlittern. Kurz tauchen Erinnerungen an wilde Achterbahnfahrten in jugendlichen Sturm- und Drangjahren vor meinem geistigen Auge auf. Meinem Fahrer indes bleibt kaum Zeit für dergestaltiges Sinnieren. Wuchtig tritt er in die Bremsen. Gleichzeitig kurbelt er wie wild am Steuer. Haarscharf gelingt es ihm, eine weitere Kollision zu verhindern. Im rechten Blickwinkel nehme ich einen schwarzen VW Touareg wahr, der mit übersetzter Geschwindigkeit weiter rast. Wir hingegen bleiben in der Mitte der Strasse in einer Staubwolke stehen. Das Ganze hat nur wenige Sekunden gedauert. Uns entgegen drängen sich Fahrzeuge auf vier Spuren. Wildes Gehupe. Ich möchte das Taxi so rasch als möglich verlassen, habe allerdings meine Zweifel, ob sich die rechte Hintertür nach diesem Schlag öffnen lässt. Doch die Skepsis ist unbegründet. Zusammen mit dem verdatterten Fahrer betrachte ich den kleinen roten Fiat von aussen. Beide – Fahrer und Fiat – machen einen erbärmlichen Eindruck und in mir wachsen Zweifel, ob dieses Auto je wieder selbstständig marokkanische Highways entjungfern wird! Beide Stossstangen liegen am Boden, das Heck ist total demoliert und die Hinterachse massiv verschoben. Das rechte Hinterrad ist erheblich angewinkelt, der Reifen platt. Sofort sind wir von einer Gruppe wild diskutierender Einheimischer umringt. Obwohl ich mittlerweile der Arabischen Sprache so weit mächtig bin, dass ich flüssig auf 10 zählen kann, verstehe ich vom Gesagten äusserst wenig. Während der Fahrer im Handschuhfach zu nesteln beginnt, beschliesse ich, mich aus dem Staub zu machen. Ich habe keine Lust auf lange Diskussionen mit den einheimischen „Freunden und Helfern“. Niemand bemerkt, wie ich davon schleiche und dem Geschehen aus sicherer Distanz einige weitere Minuten beiwohne. Schliesslich winke ich das nächste Taxi heran. Es ist das dritte heute!
Der Fahrer ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern von eher geselliger Natur und plappert unaufhörlich. Er will mich bei meinem nächsten Stopp in Casablanca gleich mit der gesamten Besatzung zu sich nach Hause einladen. Sein Couscous sei das beste in der ganzen Stadt, bemerkt er stolz. Auf seinen eindrücklichen Wunsch notiere ich sogleich seine Handynummer und verspreche, mich dereinst zu melden. Unbeschadet erreichen wir wenig später das Sheraton. Und auch der Zähler hat seinen Dienst einwandfrei verrichtet; in angemessenem Tempo notabene. Ich bezahle lediglich 2o Dirham – Trinkgeld und Einladung inklusive... Hamdulela!

Monday, July 31, 2006

Cool running

posted by Dide.
Nachtflug nach Casablanca. Check in um 0050 Uhr - Abflug um 0220 Uhr. Mitten in der Nacht. Um diese Zeit herrscht beim „OCC“, dem „OPS“ der Etihad Hochbetrieb. Dabei muss sich der geneigte Leser diese Räumlichkeiten etwas weniger grosszügig als bei der SWISS vorstellen. Genau genommen handelt es sich lediglich um einen langen, schmalen und ständig verstopften Gang, in dem sich wartende Cabin Crew Members die Zigarettenpackungen weiter reichen, sowie um einen „Internet-Corner“, bei dem sich ungeduldige Besatzungsmitglieder in Ermangelung genügender Computerstationen die Füsse wund treten. Die Flugplanung findet im Stehen an einer langen Theke statt, hinter welcher Vertreter von Crew Control und Dispatch sitzen und versuchen, den Bedürfnissen aller Crew Members gerecht zu werden. Viel Papier staut sich auf knapper Ablagefläche, es gibt kaum eine Möglichkeit, in Ruhe die Dokumente durchzugehen. Schliesslich kommt mein Copi angetrottet. Ein sympathisch grinsender Jamaicaner, der alle zu kennen scheint, der links und rechts grüsst und mit jeder und jedem zu plaudern beginnt. Wohl arbeitet er erst seit Oktober 2005 für die Firma, doch bei solch rasantem Wachstum gehört man bereits nach kurzer Zeit zu „den Alten und Erfahrenen“. Sein Englisch erinnert mich ein wenig klischeehaft an Bob Marley oder an den Film „Cool running“, in dem sich vier muntere Bobfahrer mit Rastalocken aufmachen, die Eiskanäle dieser Welt zu erobern. Wer diesen Streifen dereinst gesehen hat, mag sich mit Sicherheit an die amüsanten Abenteuer der mitunter tolpatschig wirkenden Sportler erinnern. „Ya man“ meint mein Copi als ich ihm meinen Fuelvorschlag unterbreite. In Casablanca ist Nebel angesagt und da lohnt es sich wohl, einige Liter mehr zu tanken.
Während des Fluges wird viel diskutiert. Die Themen sind immer wieder die gleichen: Diskussionen über die angespannte Wohnsituation in Abu Dhabi, über das familiäre Umfeld aber auch über die individuelle Vorgeschichte der einzelnen Kollegen. Schliesslich führten alle auch ein Leben vor dem Eintritt in die Etihad und da offenbaren sich bei näherer Betrachtung manchmal gar eigentümliche Irrwege. Irgendwann mündet unser Gespräch ins Thema Sport. Ich staune nicht schlecht, als mein Mitarbeiter beginnt, von seinen diversen Aktivitäten und Präferenzen zu berichten. Eis und Schnee hätten es ihm angetan, meint er, und schliesslich berichtet er von seiner aktiven Karriere – wer mag es für möglich halten - als Bobfahrer! James erzählt von Sommer- und Wintertrainings, von deutschen Profitrainern, von Sponsoren und von diversen Wettkämpfen. Nur mit knapper Mühe bewahre ich meinen Unterkiefer vor etwaigem Ausrenken als er schliesslich grinsend erwähnt, dass er übrigens im Jahre 1998 sein Land an den Olympischen Winterspielen von Nagano im Zweierbob vertreten hätte. Nicht auf einem Podestplatz zwar – aber immerhin hätten sie auch nicht zu den schlechtesten Teams gehört. Ich staune und bin mir nach fünf Stunden Nachtflug nicht ganz sicher, ob ich träume. „No“ entgegnet mein Gegenüber und schüttelt den Kopf, „You’re not dreaming. It’s reality man.“
Wer sagt denn da, Filme seien Fiktion: „Ya man – hot temperatures but cool running...“

Friday, July 21, 2006

"Taxi please!"

posted by Dide
Eigentlich müssten Giropraktiker in Abu Dhabi blühende Geschäfte betreiben. Mit vollen Wartezimmern und ebensolchen Bankkonten. Und wisst ihr wieso...? Allein wegen der Taxifahrer!
Wer nach Abu Dhabi kommt und sich in dieser Stadt fortbewegen will, wird früher oder später in eines der zahlreichen Taxis steigen. Wobei an dieser Stelle anzufügen wäre, dass – trotz üppiger Anzahl dieser weiss-goldenen Wägelchen – eine Mitnahme nicht immer garantiert ist. Vor allem zu Zeiten des Sonnenuntergangs kann es schon einmal vorkommen, dass kaum ein leeres Taxi zu finden ist. Aber darum geht es in diesem Beitrag eigentlich nicht. Vielmehr stehen die Männer hinter dem Steuer im Fokus meiner Schrift. Es handelt sich dabei zu mindestens 98 Prozent um Pakistani, gekleidet in weisse Gewänder. Setzt man sich in ein Taxi, fällt sofort der schwere, meist etwas beissende Geruch im Wageninnern auf. Dabei habe ich bis anhin ganz unterschiedliche Duftvarianten und –kombinationen angetroffen, die, abhängig vom Wirkungsgrad der Klimaanlage, in ihrer Entfaltung als unterschiedlich angenehm empfunden werden. Doch in der Regel bekommt der Geschmack mit zunehmender Fahrdauer schnell einmal untergeordnete Bedeutung. Das mag daran liegen, dass auch der geübte Taxigast schon nach wenigen Metern mit aufkommendem Übelkeitsgefühl kämpft und demzufolge andere Sinnesorgane in ihrer Aufnahmefähigkeit rapide abbauen. Denn das kinematische Verhalten der pakistanischen Taxifahrer von Abu Dhabi – und nicht nur derer – kennt eigentlich nur zwei Zustände: Beschleunigung und Verzögerung. Eine längere Strecke - dabei denke ich an eine bescheidene Distanz von 50 Meter - mit konstanter Geschwindigkeit habe ich noch nie erlebt. Und glaubt mir, liebe Leser, ich muss es wissen, denn ich fahre täglich mehrmals Taxi. Auch nach zwei Monaten in der Golfstadt besitze ich noch kein eigenes Auto. Mein kürzlich bestellter silberner Toyota Landcruiser Prado schippert noch immer mit unbekanntem Ankunftsdatum auf den sieben Weltmeeren Richtung Abu Dhabi.

Aber zurück zu den Taxifahrern. Nicht nur, dass sie ständig beschleunigen oder bremsen, beinahe schlimmer noch ist ihre Eigenschaft, unvermittelt und in kurzen Abständen mit brüskem Steuerverhalten die Fahrspur zu wechseln. Ich rate euch, solltet ihr dereinst in Abu Dhabi ein Taxi benutzen, dann sitzt auf keinen Fall zu nahe ans Fenster, ansonsten akute Gefahr besteht, den Kopf mehrmals an der Scheibe anzuschlagen. Und da ich davon ausgehe, dass der Durchschnittseuropäer seinen Sitzpplatz im Taxi während der Fahrt beibehält, dürfte es sich dabei immer um die gleiche Seite des Kopfes handeln, was den Schmerzeffekt zusätzlich erhöht.
Ein besonderes Fahrgefühl erfährt der Gast in jenen Momenten, in denen der Fahrer die Spur wechselt und gleichzeitig die Stellung des Gaspedals verändert. Nicht selten kombiniert mit lauten Verwünschungen der Fahrer nachfolgender oder vorfahrender Karrossen. Ein akustischer Genuss besonderer Art.
Spezielles Augenmerk soll der Fahrgast stets auf den Zähler richten. Immer wieder versuchen gewiefte Driver nämlich, die Mitfahrer zu düpieren, indem sie den Automaten nicht aktivieren, um dann am Ziel angelangt, eine überrissene Preisforderung zu stellen. Wer nicht vorgängig interveniert, zahlt in solchen Fällen eine zu hohe Summe, dies allerdings bei allgemein günstigen Tarifen. Es gibt aber auch den Fall, dass der Taxifahrer gar nicht weiss, wie er den Zähler zu bedienen hat. Für Fahrten an den Flughafen verrechnet eine bestimmte Taxigesellschaft den Piloten der Nationalen Airline einen Spezialtarif von 40 Dirham. Diese Zahl muss vorgängig auf dem Zähler eingestellt werden. Als dies meinem Fahrer kürzlich nicht gelang, stoppte er seinen Wagen nach wenigen Metern an ziemlich ungünstiger Lage und begann wild auf dem kleinen schwarzen Kasten herumzudrücken. Anfänglich beobachtete ich ihn amüsiert dabei, bekam dann allerdings nach knapp 15 Minuten in Anbetracht meiner näher rückenden Check-in Zeit ein eher ungutes Gefühl. Allein, des Fahrers Missmut hatte sich mittlerweile verstärkt, so dass er förmlich auf das arme Zählgerät einhämmerte. Mir war schon lange klar, dass sich der Kasten infolge mangelnder Antischock-Vorrichtung seit geraumer Zeit im Tilt-Zustand befinden musste. Aber erst nachdem ihm die Taxizentrale via Funk die Erlaubnis zur Weiterfahrt gegeben hatte, setzte mein Fahrer unter mürrischen Brummellauten den Wagen endlich wieder in Bewegung.
Fairerweise sei an dieser Stelle angefügt, dass auch der Schreibende sich mitunter etwas dümmlich verhält. So kürzlich, als wir ins Taxi stiegen und ich munter bemerkte: „You've got nice music in the car!“ Worauf der Taxifahrer in typischem Pakistani-Englisch unbeirrt entgegnete: „It’s no music – it’s muslim prayer!“ Es brauchte viel Anstrengung meinerseits, den Blick nicht nach rechts zu richten, wo mein lieber Freund Toni vor lauter schäbigem Grinsen an seinem Sandwich zu ersticken drohte.

Taxifahrer leiden übrigens an einem chronischen Schlafmanko. Bereits während einer unserer früheren Fahrten nach Dubai zum Simulatortraining – wir wurden jeweils um 0300 Uhr in der Nacht beim Hotel abgeholt – mussten Toni und ich miterleben, wie der Fahrer in einnickendem Zustand zweieinhalb Spuren kreuzte, bevor ich mich aus dem hinteren Sitz vornüberbeugte und laut rufend ins Lenkrad griff! Was ich aber letzte Woche erlebte, hat mich fast noch mehr beeindruckt. Auf der mitternächtlichen Fahrt zum Flughafen erklärte mir der Driver nämlich voller Stolz, dass er bereits seit 48 Stunden nicht mehr geschlafen habe. Was aber überhaupt kein Problem sei, da er über einen ausreichenden Vorrat an Red Bull verfüge... Zum Beweis zeigte er mir voller Stolz seine Büchsensammlung, die Hälfte davon bereits leer getrunken. Schliesslich meinte er, dass es die Taxifahrer halt nicht so gut hätten wie die Piloten, die zum Glück während des Fluges hie und da etwas schlafen könnten. Und da soll noch jemand behaupten, wir hätten keinen TRAUMberuf!