Thursday, February 25, 2010

Im Hintertreffen

Erst beim Durchstöbern der Blogs meiner Aviatik-Kollegen wird mir bewusst, dass die „Wüstenspuren“ seit geraumer Zeit stillstehen. Versandet, verweht oder was auch immer. Das Datum des letzten Eintrags liegt drei Wochen zurück. Ich bin derb im Hintertreffen.

Unser Drucker läuft heiss. Ich habe Linda gebeten, sämtliche, seit Beginn im Frühjahr 2006 gemachten Blogeinträge auszudrucken und in einem Ordner zu archivieren. Wahrscheinlich werden es am Ende zwei oder gar drei. Mittlerweile ist sie beim September 2007 angelangt, und das erste Ringbuch ist bereits prall gefüllt. Viel mehr Seiten werden darin kaum mehr unterkommen.
In den Files der „Wüstenspuren“ verbergen sich unzählige kleine und grosse, für uns wichtige und weniger wichtige Momente. Das Ausdrucken und Einordnen gerät zum familieninternen Lesevergnügen, das die stolzen Ausgaben für Papier und Tintenpatronen grosszügig kompensiert. Bald sind es vier Jahre, seit dem Auszug aus Helvetien. Als wärs gestern gewesen. Unglaublich.

Auch die vergangenen Wochen sind förmlich an uns vorbeigeflogen. Entgegen der arabischen Gemächlichkeit. Wir Zentral-Europäer lassen uns anscheinend durch nichts und niemand bremsen.
Hinter mir liegen zwei aufregende Bürowochen, in deren Verlauf die libanesischen Flugunfallbehörden mit einer Bitte an uns gelangen: Da unmittelbar nach dem Start der kürzlich in Beirut abgestürzten äthiopischen Boeing 737 eine Etihad-Maschine ihren Anflug abbrechen und durchstarten musste, sind die involvierten Spezialisten an einigen Wetter- und Beschleunigungs-Daten interessiert. Nach der detaillierten Flugdaten-Auswertung der entsprechenden Etihad-Mission, sowie nach einem Gespräch mit dem Captain sind wir in kürzester Zeit in der Lage, die gewünschten Informationen zu liefern.

Ein amüsanter Zwischenfall ereignet sich vergangene Woche auf der Heimfahrt von der Schule: Der Schulbus, der unsere (und andere) Kinder vom Compound in die ACS (und zurück) transportiert, wird von der Polizei angehalten. Der Grund ist Tims amouröse Geste, seinen Arm um die Schulter der Freundin zu legen. Vielleicht auch ein flüchtiger Kuss auf die Wange. Die Aussagen sind widersprüchlich. Ein Schritt zu weit auf jeden Fall, finden die umtriebigen Beamten im Streifenwagen, und stoppen kurzerhand den Bus. Nach einer persönlichen Befragung und der Erinnerung, dass dies ein muslimisches Land sei, können die Schüler den Heimweg ungehindert fortsetzen. Zärtlichkeiten müssen warten, bis der Vorhang fällt.

Nach dem Tod unseres Nachbarn ist seine Frau Ende Januar nach Abu Dhabi zurückgekehrt. Mit der Absicht, den Haushalt in den Emiraten aufzulösen, und die Rückkehr nach Italien einzufädeln. Die beiden Söhne wurden bereits in der Kalabrischen Heimat eingeschult und sind nicht mitgereist. Als Nachbar und Arbeitskollege versuche ich zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Mit der Unterstützung von Franziska. Doch es geht lediglich in sehr kleinen und mühsamen Schritten vorwärts. Die administrativen Hürden sind eng gesteckt! Die Tatsache, dass die Witwe Italienerin ist, ihr Mann Schweizer war, und die Familie in den Emiraten gelebt hat, macht die Dinge nicht einfacher. Die Dreiländer-Trilogie erhält tragischen Charakter. Die islamische Scharia, das lokal angewandte Gesetz, kommt den Bedürfnissen unserer Nachbarin nicht unbedingt entgegen. Die Regelung der Erbfrage vor dem Hintergrund individueller Gesetzesgrundlagen wird zum Spiessrutenlauf, der sich mehr als einmal wiederholt: vom Etihad-Personaldienst zum Rechtsdienst, dann weiter zur italienischen Botschaft, schliesslich zur lokalen Bank, dann wieder zur Botschaft und am Schluss einmal mehr zum Rechtsdienst. Immer wieder fehlen Dokumente, Übersetzungen, Stempel oder Unterschriften. Und alle beurteilen die Angelegenheit ein bisschen anders.
Der Verkauf der beiden Autos gestaltet sich nicht weniger kompliziert. Mit dem Unterschied, dass die diversen Ämter und Anlaufstellen andere Namen tragen.
Ein Ende der Angelegenheit ist auch nach beinahe einem Monat nicht in Sicht. Die Nachbarin ist stark, zeigt Durchhaltewillen aber manchmal auch Nerven. Ihr Haus wurde bereits geräumt, die Möbel sind unterwegs nach Süditalien. Sie und ihre Maid leben in einem leeren Haus, in kärglicher Umgebung. Auch die Kaffeemaschine wurde eingepackt. Und eine Italienerin ohne Espresso ist wie ein Schweizer ohne Sackmesser.
Nun denn, wir können auch Espresso-Lücken schliessen. Zumindest bis anhin; George Clooney sei dank. Nespresso – what else? Dumm nur, dass seit wenigen Tagen unsere Maschine streikt. Wahrscheinlich überaltert. Oder überlastet. Leider habe ich dereinst die einfache Grundvariante erstanden. Wie beim weissen Zweitwagen mit den schwarzen Türgriffen – aber das ist eine Randbemerkung für Insider.
Die neue Maschine ist bereits bestellt, und wird - insh Allah - bald geliefert. Die Nachbarin möchte trotzdem möglichst bald zu ihren Söhnen nach Italien. Wer würde dies nicht verstehen.

Tuesday, January 26, 2010

Thomson Airways Safety Video 2009

Safety Demo - the future generation!

Monday, January 25, 2010

V1-Rotate!












Der Start mit einem gut beladenen A340-600 ist immer wieder eindrücklich. Auch für mich. Die Maschine wirkt träge, will ihre 372 Tonnen nach dem Anschieben der Triebwerke kaum in Bewegung setzen. Ich bin versucht, mit der Peitsche zu knallen. Wie ein Dompteur, dessen voll gefressene Truppe den Dienst verweigert. Der Airbus verweigert nicht, lässt sich jedoch Zeit. Irgendwann, zwischen 80 und 100 Knoten, kommt das Ding spürbar in Fahrt. Die Entscheidungsgeschwindigkeit V1 liegt bei 148 Knoten (274 km/h). Jetzt kann und darf der Start nicht mehr abgebrochen werden. Auch nicht beim Auftreten einer technischen Störung. Deshalb nehme ich bewusst die rechte Hand von den Leistungshebeln. Das Verfahren verlangt dies so, um allfälligen Reflexen vorzubeugen. Die Maschine beschleunigt weiter, mit unbändiger Kraft peitschen uns die vier Rolls Royce Triebwerke über die 4100 Meter lange Startbahn. 167 Knoten (309 km/h) – die Computerstimme meldet „Rotate“, der Copi gibt den ersten Input am Sidestick. Vorsichtig, denn es gilt zu vermeiden, dass die Heckpartie des 76 Meter langen Rumpfes den Boden touchiert. Im ungünstigsten Fall geschieht dies bereits bei einem Anstellwinkel zwischen acht und neun Grad. Doch aufgepasst; rotiert der Pilot zu langsam, kostet dies wertvolle Pistenlänge. Das Ende der Startbahn rückt plötzlich unangenehm nah. Besonders bei vierstrahligen Jets. Die Vorschriften für die Performance-Berechnungen beim Start sind komplex, unter anderem muss im Fall eines Triebwerkverlusts bei V1 innerhalb der verbleibenden Pistendistanz eine Beschleunigung auf die minimale Steigfluggeschwindigkeit V2 möglich sein. Mehr noch, das Flugzeug muss dabei mindestens eine Höhe von 35 Fuss (10 Meter) erreichen. Im Falle einer nassen Piste reduziert sich dieser Wert gar auf lediglich 15 Fuss! Ein zweistrahliges Flugzeug verliert mit einem Triebwerk die Hälfte des Gesamtschubs, eine Maschine mit vier Aggregaten lediglich einen Viertel, beschleunigt mit dem vorhandenen Restschub also besser, was letztlich wiederum die dafür benötigte Distanz verkürzt und die "kritische Schwelle" näher ans Pistenende schiebt.

Auch wir können das Pistenende gut erkennen, als sich das Hauptfahrwerk endlich vom Boden löst. Mit einer selbstverständlichen Schwerfälligkeit, als wollte uns das Flugzeug augenzwinkernd zuraunen: „Schon gut, schon gut, bin wohl etwas fett aber die Luft ist mein Element, don’t worry!“ (Beim Airbus wohl eher „N’inquiétez pas!“...)
Langsam erklimmen 140 Tonnen Kerosen, vierzehn Tonnen Fracht, 253 Passagiere und 17 Besatzungsmitglieder Höhe, steigen Fuss um Fuss. Vor uns liegen 14.20 Stunden Flug über Land und über Wasser. Wir werden Wolkendecken durchstossen und Turbulenzen „erleiden“, Checklistenpunkte abarbeiten, mindestens 20 „Fuel-Checks“ durchführen und mehrere Liter Wasser und Kaffee trinken. Bei der Landung in New York werden wir 127 Tonnen Sprit verbrannt haben, über brennende Augen, eine trockene Kehle und einen Blähbauch klagen. Bei allen drei Leiden ist Abhilfe möglich; der Preis dafür variiert, die Umweltverträglichkeit ebenso...

Saturday, January 23, 2010

La gaieté arabienne...

Für sämtliche Schlottergeister in der Schweiz: Samstag, 23. Januar; einige Stimmungsbilder

Luft 26 Grad, Wasser 22 Grad - Arabischer Winter!

























































... morgen Sonntag geht's nach New York an die Kälte, brrhhh...

Thursday, January 21, 2010

Happy Birthday

Sich selber zum Geburtstag zu gratulieren, ist nicht schick. Ich habs trotzdem gemacht; in meinem Hotelzimmer im neblig-grauen London. Zwar gabs einige SMS und Emails, doch ich hab vor dem Spiegel nachgedoppelt; mir in die vom Schlafmanko zerknitterten Augen geschaut und ganz unspektakulär einen Toast auf die kommenden Jährchen ausgesprochen.
Ursprünglich wollte mich mein Arbeitgeber nach Casablanca schicken. Dann aber haben die Einsatz-Disponenten ein Einsehen, lassen Gnade walten und senden mich fürs Wiegenfest an die Themse. Dass sie mir damit, zumindest ein symbolisches, Geburtstagsgeschenk bereiten, ist ihnen zweifellos nicht bewusst. Denn für den geburtstäglichen Rückflug steht das jüngste Baby der Etihad-Flotte auf dem Tarmac. Und so komme ich an meinem 53sten in den Genuss meines persönlichen Erstflugs mit einem A330-300! Mit erst 38 Sektoren und 240 Flugstunden auf dem noch wenig geschundenen Buckel (diese Zahlen beziehen sich natürlich auf das Flugzeug...).
Von aussen unterscheidet sich der etwas längere Airbus nicht sonderlich von seinen Brüdern und Schwestern der 200er Generation. Doch wer erst einmal die Kabine betritt, dem verschlägt es glatt die Sprache!

Der Flieger präsentiert sich mit völlig überarbeitetem Innenleben. Gedämpfte Brauntöne und Holzimitationen vermitteln gemütlich-einladende „Wohnzimmer-Atmosphäre“. Technisch und ergonomisch aufgewertete Passagiersitze (eher –sessel) mit Leder-Kopfpolstern in sämtlichen drei Klassen sorgen für erhöhten Sitzkomfort und geringeren Kabelsalat, denn bei der bisherigen Anordnung geraten sich ständig die Fernbedienung und der Kopfhörer in die Quere. Solcher Ärger ist „passé“, die Einsteckbuchsen befinden sich neu nicht mehr in der Armlehne sondern an der Rückseite des Vordersitzes. Noch praktischer ist die Filmwahl per Fingertipp, sind doch die Bildschirme mit Touchscreen-Eigenschaften ausgerüstet. Hochziehbare Trennwände in First- und Businessclass sorgen für mehr Privatsphäre, separieren Schnarcher von Hellhörigen, Trinker von Abstinentlern, Laute von Leisen und Fremde von Unbekannten – so mann und frau denn wirklich getrennt werden wollen...

Der Cabin Manager hat von seiner „Kommandozentrale“ aus die Möglichkeit, individuelle Meldungen diskret auf die Bildschirme einzelner Sektionen oder Passagiere zu übermitteln. Und die „Flight Attendants“ verrichten ihr Tag- oder Nachtwerk in Galleys, die dank edler Holzfronten frischer und aufgeräumter daherkommen, als so manch private Kochecke. Ich habe ja schon unzählige Flugzeuginnereien bewundert, aber diese Ausführung schlägt wirklich alles bisher Gebotene! Zukünftige Etihad-Maschinen werden ebenfalls im neuen Look ausgeliefert, die bestehende Flotte soll teilweise umgerüstet werden.

Dass mir schliesslich die gesamte Besatzung nach der Landung im Bus ein Geburtstagsständchen trällert, bringt meine Augen, vom zweiten Nachtflug innert drei Tagen zusätzlich geschädigt, ein weiteres Mal zum Leuchten. Sogar beschenken tun mich die lieben Kollegen und Kolleginnen; mit einem wunderschönen Cerrutti-Schreibwerkzeug sowie einem hellblau schimmernden London Gin namens “Bombay Sapphire“; möglicherweise einem letzten Überbleibsel in Flüssigform aus früheren Kolonialisationszeiten.