Friday, December 21, 2007

Es weihnachtet sehr

Heute ist mein letzter Ferientag. Jetzt, wo emsige Engel und umtriebige Weihnachtsmänner dem Jahreshöhepunkt entgegenfiebern, schickt mich mein Arbeitgeber wieder in die weite Welt. Die 18 Tage ohne Einsatz vergingen förmlich wie im Flug – das mag seltsam klingen, doch es entspricht den Tatsachen. Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht für Müssiggang und Familienrunde, doch diverse administrative Erledigungen, ein Hockeyturnier in Abu Dhabi (organisiert und durchgeführt von unserem Club), Spiele mit den „Under 18“ im eine Autostunde entfernten Al Ain und eine Vorstandssitzung sorgten insgesamt für weit mehr Aktivität als vorgesehen.

Driving home for Christmas
In drei Tagen ist Heiliger Abend. In diesen Tagen schweifen meine Gedanken häufig in die Vergangenheit. Die Vor-Weihnachtszeit gehört für mich zu den schönsten Phasen des Jahres. Lichterglanz und weihnachtlich angehauchte Musik in Radio und Einkaufszentren versetzen mich immer wieder in eine besondere Stimmung. Autofahrten durchs regnerisch-dunkle Zürcher Unterland, vorbei an mit Lichterketten bestückten Hausfassaden gehörten früher zum weihnächtlichen Alltag und weckten so manche Erinnerung an kindliche Jahre. Und klang dann noch Chris Rea’s „Driving home for Christmas“ aus den Lautsprechern, war mein kleines Weihnachtsglück komplett.
Diese Stimmungsbilder, die mich über viele Jahre geprägt und in festliche Vorfreude versetzt haben, präsentieren sich hier etwas anders. Sonnenschein statt Regen und Schnee, T-Shirt statt Wintermantel und Wollmütze und Air Conditioning statt Cheminée-Feuer. Doch all diese kleinen Unterschiede vermögen letztlich nicht zu verhindern, dass sich im Laufe des Dezembers so etwas wie Weihnachtsstimmung breitmacht. Auch im „Al Qurm“-Compound werden die Häuserfassaden mit Lichterketten behängt und nach Einbruch der Dunkelheit erkennt man durch die Fenster den einen oder anderen Christbaum. Die vielen amerikanischen Familien in der Siedlung haben nach „Thanksgiving“ begonnen, ihre Eingangstüren mit Kränzen zu schmücken. Bei Carrefour oder Spinneys wurden künstliche Weihnachtsbäume besorgt. Lichterketten und bunter Baumschmuck verwandelten die Tannen dann im Nu in stimmige Weihnachtsbäume.
Auch wir lassen uns nach Wochen, Monaten und Jahren des mitleidigen Lächelns und Zauderns dazu hinreissen, einen dergestaltigen Kunstbaum zu kaufen, denn dieses Jahr wird die ganze Familie den Heiligen Abend gemeinsam in Abu Dhabi feiern. Wohl gibt es in der Stadt Angebote für echte Nordmanntannen, doch dieser Aufwand scheint uns dann doch zu gross. Und Franziska tröstet sich damit, dass sie zumindest unseren Adventskranz selber gefertigt hat...

Wir „basteln“ einen Weihnachtsbaum
So machen wir uns denn eines sonnigen Dezembertages daran, den „Baum“ aus der Schachtel zu nehmen und die vielen „Einzelteile“ sorgfältig zusammen zu stecken: Sämtliche Äste sind farblich markiert, so dass Form und Dimensionen der Tanne nicht aus den Fugen geraten. Gemeinsames „Weihnachtsbaum-Basteln“ klingt ein wenig nach TV-Bastelstunde mit Gerda Conzetti (wird den Lesern meiner Generation wohl noch ein Begriff sein...). Schneller als erwartet steht die „Tanne“ in der Stube, dann drappieren Franziska und die Mädchen Lichterketten und Weihnachtskugeln und wenig später betrachten wir nicht ohne Stolz das stimmungsvolle Werk. Wir mögen kaum warten, bis es eindunkelt und per Stromschienen-Kippschalter die Lichter angezündet werden können. Zusammen mit vielen (echten) Kerzen verzaubern wir auf diese Weise unsere „Wüsten-Stube“ in ein festtägliches Lichtermeer, dass uns letztlich beinahe glauben lässt, die Temperaturen in Abu Dhabi wären um einige Grad gesunken.

















































Weihnachtsbaum-Basteln
















Das stolze Endprodukt

Doch nicht nur unser „Nordmanntannen-Replikat“ versetzt uns in festliche Vorfreude. Nina, die seit längerer Zeit wöchentlich Unterrichtsstunden in einem „Dance-Club“ besucht, darf mit ihrer Gruppe an einer grossen Christmas Show im Auditorium der Britischen Schule teilnehmen. „Winter Wonderland“ – so der vielversprechende Titel der Vorführung, bei der getanzt, gesteppt und gesungen wird, ist gespickt mit unzähligen bekannten Weihnachtsmelodien. Etwa zur gleichen Teit organisiert die Deutsche Schule ihren traditionellen Weihnachtsmarkt auf dem Schulareal. Der Besucherandrang ist derart gross, dass Lebensmittel und Getränke früher als erwartet knapp werden. Wohl zum letzten Mal findet der Markt auf dem Gelände des bestehenden Schulhauses statt, ist doch der Umzug in die neuen Gebäulichkeiten auf den kommenden Sommer geplant.















Winter Wonderland






























Weihnachtsmarkt der DSAD

Eid Al Adha
Dieses Jahr fällt das höchste islamische Fest, Eid Al Adha kurz vor Weihnachten, so dass auch die Muslime mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt sind. Bei diesem Anlass wird die endlich fertig gestellt „Sheikh Zayed Bin Sultan al Nahyan“-Moschee in Abu Dhabi offiziell eingeweiht, und zwar durch keinen geringeren als den UAE-Regenten Scheich Khalifa höchstpersönlich.
Das „Opferfest“ wird zum Abschluss des „Hajj“, der grossen Pilgerfahrt nach Mekka, gefeiert und findet in der Regel etwa 70 Tage nach dem Fastenmonat Ramadan statt. Dabei wird des Propheten Abraham gedacht. Die Gläubigen, die es sich leisten können, schlachten ein Tier, wobei die Behörden im Vorfeld in sämtlichen Medien vor Missbrauch und unrechtmässiger Schächtung gewarnt haben. Nicht selten begegnen uns auf den Strassen Abu Dhabis Kleintransporter, deren Ladeflächen vollgepfercht sind mit Lämmern, die wohl allesamt ihre letzte Fahrt „geniessen“.
Weniger blutig geht es in unserer Küche zu und her. Linda und ihr Freund Nathan frönen dem Brauch des „Plätzchen-Backens“. Unter ihren flinken Händen entstehen Brunsli, Mailänderli, Zimtsterne und gefüllte Lebkuchen. Bei meinem kurzen Besuch in der Schweiz Anfang Dezember habe ich auf Geheiss meiner Gattin in diversen „MM-Filialen“ des Zürcher Unterlandes einige Tonnen Fertigteig erstanden und im Schweisse meines Angesichts nach Abu Dhabi geschleppt. Nur dank gütiger Mithilfe einer gut gelaunten Schalter-Angestellten wurden mir die Übergepäck-Kosten erlassen, ansonsten wären die Kosten für unser Weihnachtsgebäck ins Unermessliche gestiegen und es wäre billiger gewesen, die Guetzli direkt von Teuscher im Privatjet nach Abu Dhabi einfliegen zu lassen.















In der heimischen Backstube

A propos Fliegen: Am 26. Dezember werden Franziska und die Kinder ins Flugzeug steigen und via Frankfurt in die Schweiz düsen. Acht Tage bleiben ihnen, um in der Ferienwohnung im Diemtigtal Schnee, Skifahren und geselliges Beisammensein zu geniessen. Am 4. Januar geht’s bereits wieder nach Abu Dhabi. Und der Vater...? Der verdient weiter einige Dirham; jemand muss ja für die Kosten der Weihnachtsguetzli aufkommen...

Friday, December 14, 2007

Mitten ins Herz

Ganz unerwartet und kurzfristig angekündigt legten gestern die „Red Arrows“ in Abu Dhabi einen Zwischenstopp ein. Das weltberühmte Akrobatikteam der Royal Air Force befindet sich in diesen Tagen auf dem Rückweg von ihrer „Eastern Arrows“ Tour, die unter anderem vom Triebwerkhersteller Rolls-Royce gesponsort wird. Zufälligerweise fiel dieses Spektakel mit dem 15ten Geburtstag von Linda zusammen. Eine einmalige Gelegenheit, sich als aviatisch geprägter Vater gewinnbringend „in Szene“ zu setzen.

Politischer Sesseltanz
Dem „Networking“ kommt zentrale Bedeutung zu, und zwar im beruflichen wie auch im privaten Umfeld. Christoph Blocher kann seit dem gestrigen Tag ein Lied davon singen. Ausgerechnet er, der auf vielen Ebenen (und mit den Wölfen) tanzt, wurde – dank raffinierter Verbandelung christlich-mittelinker Kreise – unbürokratisch aus der Landesregierung gehebelt. Aber das ist ein anderes Thema und dessen Erwähnung soll den Lesern lediglich demonstrieren, dass wir dank moderner Satellitentechnik auch im Morgenland die jüngsten politischen CH-Polit-Soaps hautnah mitverfolgen. Glücklicherweise befindet sich Abu Dhabi im Osten der Schweiz, so dass wir – trotz drei Stunden Zeitdifferenz – den Anfang der Sessionen nicht verpassen. Die Ereignisse in Bern lassen uns teilweise bis spät in die Nacht vor dem TV-Gerät ausharren, denn „10vor10“ beginnt in Abu Dhabi aus eben genannten Gründen erst um 0050 Uhr.
So genannt „gute Beziehungen“ haben mir letztlich auch zu Informationen zum Auftritt der „Red Arrows“verholfen. Denn die Medien vermeldeten im Vorfeld wenig bis gar nichts. Ich packe die Gelegenheit beim Schopf und verspreche meiner Tochter eine Geburtstagsüberraschung mit Seltenheitswert. „Aus der Luft wird sie (die Überraschung) kommen“, verkünde ich grossmundig, um gleich nachzudoppeln, dass „Hunderte von Zuschauern“ an ihrem Glück teilnehmen würden.

„Überraschung aus der Luft“
Kurz nach 13 Uhr holen Franziska und ich Nina, Linda und ihren Freund Nathan vor der Deutschen Schule ab. Tim steckt noch immer in den mehrtägigen „Final Exams“, den Semesterschluss-Prüfungen der ACS, die jeweils kurz nach dem Mittag beendet sind. Diese Konstellation bietet der gesamten Familie die Möglichkeit zum gemeinsamen Feiern. Zuerst geht’s zu „Mugg and Beans“, einem vor allem von Expats viel besuchten Snack- und Kaffeetreffpunkt in der Innenstadt, dessen Kuchen-, Torten- und Muffin-Auslage so manch fastende Seele ins Grübeln bringt. Während wir auf „Cheesecake“, „Chocolate Mousse Cake“ und „Cookies and Cream Cake“ warten, macht sich das Geburtstagskind über die Geschenke her. Sie strahlt. Auf’s Singen verzichten wir allerdings in Anbetracht der üppigen Besucherzahl. Da strahlt sie noch mehr – zu peinlich wär’s ihr gewesen.


































Geschenkfreuden

Treffpunkt Corniche
Kaum sind die letzten Krümel verdrückt, machen wir uns auf den Weg in die Breakwater-Zone gegenüber der Corniche. Das Wetter zeigt sich einmal mehr von seiner besten Seite, die Temperatur liegt bei angenehmen 27 Grad, und die Sicht an diesem Dezembertag ist aussergewöhnlich klar. Anders als die politische Schweiz, die an diesem Morgen von „neu Bundesrätin“ Evelyne Widmer-Schlumpf über ihren Entscheid aufgeklärt wurde, tappt Linda noch immer völlig im Dunkeln. Während der kurzen Autofahrt, die uns am Emirates Palace vorbeiführt, rätselt sie unaufhörlich weiter. Allerding erfolglos.
Wir lassen uns am Wasser nieder und warten. Mein Informant aus dem Kontrollturm des Flughafens Abu Dhabi ruft mich an, als die neun roten Hawk zur Piste rollen. Wenig später informiert er mich per SMS über die Anflugrichtung und just in dem Moment, als wir den Verband am Horizont entdecken, klingelt mein Handy erneut. „They’re now approaching the Coastline“ – und dann rauscht die tadellose Formation auch schon über unsere Köpfe hinweg. Linda beginnt verschmitzt zu grinsen und hinterfragt gleichzeitig diskret meine Motivation zu diesem Ausflug...































Das lange Warten....
















...bis die roten Pfeile auftauchen!














































Geblendet von der Dezember-Sonne













Doch es bleibt keine Zeit für lange Erklärungen. Fasziniert vom ungewöhnlichen Himmelsballet geniessen wir, gemeinsam mit anderen Zaungästen, die rund 25 minütige Darbietung über unseren Köpfen. Erst als die tollkühnen Piloten sich anstellen, mit Rauch ein Herz, durchbohrt vom obligaten Pfeil, in den Himmel zu stellen, bietet sich mir Gelegenheit, mein Tun zu rechtfertigen. Eine Symbolik, die besser nicht zum Geburtstag passen könnte. Und – Hand auf eben dieses Herz – wem wird denn schon von einer der weltbesten Kunstflugstaffeln eine vergleichbare Geburtstags-Huldigung zuteil.
















Mitten ins Herz

Sunday, December 09, 2007

Party über Party und Justin Timberlake zum Geburtstag

In den VAE ist Party-Zeit. Nicht nur war gerade erst der „36. National Day“ (2./3. Dezember), auch einige prominente Leute aus dem Showbiz besuchten Abu Dhabi. Das musste natürlich gefeiert werden – und das wurde es auch, auf diversen Parties in der ganzen Stadt.

National Day
Den Beginn dieses Partymonats in den VAE leitete der 36. Geburtstag des Landes ein. Mit einem verlängerten Wochenende (5 Tage) wurde auch den Schülern die Möglichkeit geboten, sich richtig gehen zu lassen. Jeden Abend herrschte ein riesiger Auflauf bei der „Corniche“. Autos, mit der Flagge der Vereinigten Emiraten geschmückt und mit feiernden Arabern auf den Dächern, fuhren hupend die Strasse entlang – wobei „fahren“eigentlich nicht die richtige Bezeichnung ist, viel mehr bewegten sich die Fahrzeuge ausschliesslich im Schritttempo vorwärts.































Festlich beleuchtete Hochhäuser an der Corniche

Das ist nicht mit den Feierlichkeiten zum 1. August in der Schweiz zu vergleichen, denn in unserem Land wird mittlerweile mehr geredet als gefeiert. Höhepunkt des Abends ist meistens das Feuerwerk. Feuerwerk gibt es auch in Abu Dhabi. Jeden Abend konnte man die farbenprächtigen Explosionen am Himmelszelt beobachten und sich daran begeistern. In der Nacht wurde gefeiert und wer an der „Corniche“ lebt, hatte Probleme, auch nur ein bisschen Schlaf zu finden.
Trotzdem waren wohl die meisten traurig, als dieses mehrtägige Spektakel zu Ende war. Aber die „Party-Animals“ schauten schon auf den nächsten Event, das Justin Timberlake Konzert vom 6. Dezember im Garten des Luxushotels Emirates Palace.
















Festlich geschmückter BMW auf dem Parkplatz

Justin Timberlake
Das Highlight des Monats bislang war zweifellos der 6. Dezember. Nicht nur weil ich meinen Geburtstag feiern durfte – was für die Einwohner der Stadt sicher einen grossen Teil zu diesem speziellen Tag beitrug -, sondern weil Justin Timberlake seine World Tour mit diesem Auftritt in Abu Dhabi beendete.
Mein Freund Neil schenkte mir zum Geburtstag eine Eintrittskarte. Als wir gut drei Stunden vor Beginn beim Emirates Palace ankamen, tummelten sich schon tausende von erwartungsfreudigen Zuschauern auf der Konzertwiese. Es stellte sich heraus, dass wir über Karten für Sitzplätze verfügten. Jedoch wollten Neil und ich nicht die ganze Zeit sitzen. Wir versuchten uns in den Stehplatzbereich zu schmuggeln, was jedoch aufgrund der strengen Security nicht klappte. So wurden wir wieder auf die Sitzplätze verbannt. Andere Schulkollegen fanden bessere Wege und Mittel und schafften später, was uns vergönnt war.
Das Konzert war ein voller Erfolg. Schnell wurden auch aus den Sitzplätzen Stehplätze. Justin Timberlake war in seinem Element und die Fans waren aus dem Häuschen. Ein Hit folgte dem anderen. "JT" begeisterte nicht nur mit Rhythmus und Gesang, sondern auch seine Tanzeinlagen wussten zu gefallen. Unterstützt wurde er dabei von einer Gruppe professioneller Tänzerinnen und Tänzer. Justin schien sein Auftenthalt in Abu Dhabi zu gefallen, wie er dem Publikum mitteilte.
Nach dem Konzert trafen Neil und ich die anderen Schüler aus der ACS. Die meisten schon „leicht“ angetrunken, konnten ihre Konzerteindrücke nur noch lallend schildern. Wir feierten meinen Geburtstag, wobei auch einige Becher Bier geleert wurden. Danach trennte sich die Gruppe, denn die einen zogen weiter zu diversen „Afterparties“. Neil jedoch musste nach Hause, und da ich bei ihm übernachtete, begleitete ich ihn.
Nach diesem turbulenten und feucht fröhlichen Abend wird mir mein 17. Geburtstag in bester Erinnerung bleiben…































Party-Stimmung...
















...der Morgen danach

Vorschau
Die Parties hier zu Lande sind jedoch noch lange nicht vorbei. So kam mir kürzlich zu Ohren, dass der Dezember tatsächlich als der Partymonat gilt, jedoch nur bis zu Weihnachten, denn danach werden die meisten Schüler für kurze Ferien nach Hause in ihr Heimatland reisen. So wird das auch bei mir sein. Mit meiner Mutter und den beiden Schwestern fliege ich am 26. Dezember Richtung Schweiz, um dort mit unseren Verwandten die restlichen Festtage zu verbringen.
Doch bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Es kommt jedoch ein weiterer Partydämpfer dazu. Vom 12. – 16. Dezember finden an der ACS die „Final Exams“ statt. In jedem Fach muss eine Prüfung über den Stoff des ganzen Halbjahres absolviert werden. Da gilt es, einiges aufzuarbeiten und es bleibt wenig Zeit für Freunde. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn nach den Prüfungen sind Ferien angesagt und dann gibt es genügend Parties, um alles wieder gut zu machen.
Aber jetzt wird zuerst gelernt – denn ohne Fleiss, kein Preis…

posted by Tim

Tuesday, October 09, 2007

Sportliches

Eigentlich hatte ich sie ja bereits beendet und abgeschrieben; meine Squash-Karriere. Doch hier in Abu Dhabi, zwischen brennendem Sand und stechender Sonne, treibt es mich wieder in die engen Courts, deren Betonwände jeder Anlage zellenhaft-klaustrophobische Züge verleihen. Die Temperaturen sind angenehm kühl, was mitnichten heissen soll, dass mann oder frau bei der Jagd nach dem kleinen Gummiball nicht ins Schwitzen gerät.

Turnier-Fieber
In jungen Jahren, da hielt ich mich tagelang in Squashzentren auf. Ich durchlief eine Trainerausbildung, coachte in der Folge Junioren, spielte Turniere, die zu unsäglich früher Morgenstunde irgendwo in der Ostschweiz angesetzt wurden (und bei denen ich nicht selten nach einer Erstrundenniederlage frustriert von dannen zog...) und war Mitglied einer Interclubmannschaft. Zum Schweizermeister hat es zwar nicht ganz gereicht (kleiner Scherz), immerhin schaffte ich aber eine Klassierung unter den ersten 350 der Schweiz!
Heute flackert die alte Leidenschaft wieder auf! Faiz Khan, der pakistanische Coach, bei dem ich regelmässig Stunden nehme, hat ein Turnier organisiert: Das „Le Meridien Ramadan Squash Open“ lockt rund 60 Spieler in die neu renovierte Sportanlage des gleichnamigen Hotels. Das Turniertableau ist bunt gemischt. Im wahrsten Sinne des Wortes: dunkle Haut, helle Haut, grüne Shirts, rote Hosen. Anders als bei Wettkämpfen in der Schweiz gibt es keine Klassierungen, die ausgewogene Stärkeklassen garantieren. Das Teilnehmerfeld weist ein offenkundiges Gefälle auf. Gespielt wird über eine Zeitspanne von rund drei Wochen, die „Games“ finden in der Regel am späten Nachmittag oder am Abend statt. Mitunter informiert auch die Presse in bescheidenem Rahmen über die Resultate.

In völliger Ahnungslosigkeit gehe ich, die fiebernde Familie im Schlepptau, an mein erstes Spiel. Der arabisch klingende Name meines Gegner sagt mir nichts. Ich bin guten Mutes, schliesslich spiele ich seit längerer Zeit wieder regelmässig und fühle mich entsprechend fit. Erst die wenigen bedeutungsvollen Mienen einiger „Insider“ beim Aufwärmen stimmen mich skeptisch. Als der Gegner dann leichtfüssig die Arena betritt, sportlich durchtrainiert, rund zwei Dekaden jünger und überlegen lächelnd, ahne ich Böses. Und in der Tat – das Spiel verläuft ziemlich einseitig! Mein Gegner spielt und ich renne, laufe, keuche. Meine Fangemeinde ausserhalb des Courts wahrt die Fassung und beklatscht jeden Punkt, den mir mein Gnade walten lassender Gegner edelmütig zugesteht, frenetisch. So, dass schliesslich das Endresultat meiner Ehre wenig Abbruch tut. Später, die letzten Schweissperlen auf meiner Stirne sind kaum getrocknet, vertrauen mir Insider an, dass mein ägyptischer Bezwinger zu den besten Spielern der UAE gehöre und als Nummer vier des Turniers gesetzt sei. So gesehen, handelt es sich beinahe um eine Ehre, mit diesem Squash-Titanen, der das Turnier schliesslich auf dem dritten Rang beendet, einige Rallyes gespielt zu haben!

Meine Wenigkeit kämpft weiter in der „Plate Round“, dem Trostturnier. Es läuft gut und ich gewinne drei Spiele in Folge mit 3:0. Hoffnung keimt auf, das Ganze zu einem guten Ende zu führen. Mein Selbstvertrauen steigt mit jedem gewonnenen Punkt. Doch im Halbfinal ist Schluss. Mein 15jähriger Gegner, schon wieder ein Ägypter, erweist sich nach einem gewonnenen ersten Satz letztlich als zu stark und gewinnt 1:3.
Glücklicherweise stellen die Organisatoren weitere Turniere in Aussicht.

Captain-Fieber
Falsch! Die Rede ist nicht von der Fliegerei. Auch wenn ich obigen Absatz mit einer Anspielung daran ausklingen lasse.
Die „Falcons“ sind auf der Suche nach einem Teamcaptain für die Mannschaft der „Above 14“, also der „über 14jährigen“. Die in dieser Gruppe eingeteilten Jungs und Mädchen (in den UAE spielen beide Geschlechter nach Möglichkeit zusammen) stellen die älteste Altersklasse der Junioren dar. Wer älter als 18 ist, spielt bei den Erwachsenen.
Die Mannschaftsliste ist lang und ich liste sie hier auf, weil die Namen in ihrer Vielfalt beredtes Zeugnis des Nationengemischs liefern: Jasim Abdulbaki, Zayed Abdulbaki (UAE), Mark Armour (USA), Tyler Beresford (USA), Calum Crome-Hawke (UK), Ayoub Dib(Egypt/USA), Tim Eppler, Richard Eshaya (CAN), Ferras Hebaichi (Palestine/USA), Jafer Jaradat (CAN), Amir Kahoul, Brendon Knox (South Africa), Herman Lone (sprich „Lu-ne“, Norway), Michela Raciti, Riccardo Raciti (Italy), Alastair Salsman (CAN), Justin Shima (USA), Gabriel Shotton (USA), Lucas Taillefer (FR), Xiao Yao (China), Alexandra Yip-Choy (CAN), Zachary Zajac (CAN).
Die Truppe ist nicht nur bezüglich Herkunft äusserst vielfältig, auch die Fähigkeiten auf dem Eis sind alles andere als homogen. Da gibt es beispielsweise eine junge Kanadierin, die den meisten Jungs um die Ohren fährt und eishockeytechnisch ganz vorne mitmischt. Was nicht weiter erstaunt, hat sie doch früher in ihrem Heimatland in einer Auswahlmannschaft mitgespielt. Und da in den UAE keine Bodychecks bei Juniorenteams erlaubt sind, gehört sie bei den Turnierspielen ebenfalls zu den besten.

Nun sucht diese Mannschaft also einen Captain. Damit sich die SpielerInnen der Bedeutung der Captainswahl bewusst sind, verschickt der Coach vorgängig folgendes Mail:
„It is time to elect a Captain (C) and 2 Alternate or Assistant Captains (A) for the team. These roles are an important part of our team's development and it is important you give some thought to the selections you will be making. The following is from an article describing Mark Messier who some think was the best hockey team Captain ever:There are captains in the other major team sports, but in no other is the Captaincy as important as it is in hockey. An NHL captain is a team leader and a team spokesman, on and off the ice. He has to have heart--and the ability to be heartless. The job description can range from having to light a fire under a player whose work habits may not be up to snuff to helping a new teammate get settled. He's a social director, a bridge between players and management, and, almost certainly, its most dedicated, if not best, player. A captain is a team's communicator, a critic, a counselor, and a conscience all rolled into one. The "C" is a symbol of their teammates' respect and their coaches' trust...
No, we are not playing in the NHL but these attributes are something to strive for and something for you to think about when making your selection for Captain and Alternates. The election will be at the rink on Friday morning before we go on the ice. If you are not going to be at the rink on Friday then get back to me with your choices before Friday evening and I will compile. The election is meant to be free and private so any picks you send to me will be kept confidential....the choices should clearly state the name for Captain and the 2 names for Alternates.”

Eine verantwortungsvolle Aufgabe also, die es zu vergeben gilt. Die SpielerInnen notieren ihre Vorschläge auf kleine Zettel, die der Coach später einsammelt und im stillen Kämmerlein auszählt.

Gewählt wird Tim. Xiao und Ferras werden die beiden „Assistant Captains“. Die drei sollen ihre Mannschaft in eine erfolgreiche Saison führen. Mit vielen Toren und wenig Niederlagen. Mit neuem Logo und neu gestalteten Jerseys. Der Anfang gelingt. Sie gewinnen ein erstes Freundschaftsspiel gegen ein Erwachsenenteam der „Abu Dhabi Scorpions“ mit 8:4.














Radio-Fieber
Zugegeben – der Begriff „Radio-Fieber“ assoziiert nicht zwingend sportliche Höchstleistungen. Vielleicht aber innovativ-akademische!
Ich sitze im Zug von Genf nach Zürich und lese nach langem Unterbruch wieder einmal den „Tages-Anzeiger“. Dabei sticht mir ein Artikel über den Rosch.. äh Pardon, den „Herrn Schawinski“ ins Auge. Er sei es leid, ständig von jungen Schnöseln geduzt zu werden. Und das ewige „Britney Spears-Gedusel“ auf den gängigen Lokalsendern mag er auch nicht mehr hören. Er wird zum Opfer seiner eigenen Kreativität. Doch eines muss man dem guten lassen: im Gegensatz zu vielen anderen Zeitgenossen klagt (Herr) Schawinski nicht – er handelt! Ersteht kurzerhand das vollständige Aktienpaket des bislang unscheinbaren „Radio Tropic“ und beschliesst, nach Einschiessung von acht bis zehn Millionen das Radio von Grund auf umzubauen. Für ein Zielpublikum zwischen 30 und 60! Da bin ich also noch voll dabei! Und überhaupt war es schon immer mein Traum, in einem Lokalradio mitzutun. Frühere Pläne für ein „Radio Zürcher Unterland“ sind leider mangelndem Sponsoreninteresse zum Opfer gefallen. (Fehlende) Sponsoren scheinen im Übrigen immer mehr mein Leben zu dominieren. Ob bei Radioplänen oder heute beim Eishockey. Doch (Herr) Schawinski lässt mich wieder hoffen: Ab Beginn 2008 soll sein Radio loslegen. Mit einem neuen Team, das noch zu bilden ist. Ob ich mich wohl melden soll? Nach dem Abstecher in die Aviatik-Wüste wäre ein Wechsel in die Radio-Wüste nicht gar so ungewöhnlich. Und Erfahrung habe ich schliesslich. Ob ich den Passagieren einen Bären aufbinde oder den Zuhörern, spielt letztlich keine grosse Rolle.

Doch das muss ich alles zuerst mit Franziska besprechen...

Monday, October 01, 2007

Kaffee-„Genüsse“

Vielleicht bin ich süchtig. Nach dem Duft roher Bohnen, und nach dem Geschmack frisch zubereiteten Kaffees. Deshalb beschäftigt mich das Thema immer öfter. Möglich auch, dass ich diesbezüglich ganz einfach verwöhnt bin. Unsere Nespresso-Maschine war seinerzeit die erste Anschaffung nach dem Einzug ins neue Haus in Abu Dhabi. Nicht einmal einen Becher, geschweige denn Tassen waren vorhanden. Weder in der Küche noch in den übrigen Zimmern. Doch schliesslich haben mann und frau liebe Nachbarn, so dass die Verlegenheit von kurzer Dauer ist. Ein Tässchen ausgeliehen und schon blubbert das Objekt der Begierde aus dem Hahn.

Monopol in Arabien
Vom Kaffee soll die Rede sein, und zwar im Besonderen vom Kaffeegenuss in Etihad-Flugzeugen. Serviert von Cabin Crews der Etihad und zwar im Besonderen an Cockpitbesatzungen derselben Airline. Das passt insofern, als dass die Arabische Welt bereits früh mit der Kaffeebohne in Kontakt kam. Durch Sklavenhändler wurde sie vermutlich im 14. Jahrhundert aus Äthiopien eingeführt. Der Kaffeeanbau brachte Arabien eine Monopolrolle ein. Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha, auch Mokka genannt, das heutige Al Mukha im Jemen.
Mittlerweile hat sich das Getränk stetig weiterentwickelt. Der Kaffee geniesst Kultstatus. Die Geschmäcker sind verschieden. Kaffee – oder arabisch „Qahwa“ – ist eben nicht gleich Kaffee. Zwischen einem Caffé Latte“ und einem „Doppio Espresso“ klafft ein Riesengraben. Und zwar von der Zubereitung bis hin zu Form und Grösse des Trinkgefässes. Traditionelle Wiener Kaffeehäuser und „Starbucks“ haben wenig miteinander gemein. Fortwährend kreieren inspirierte Köpfe neue Variationen rund um die Kaffeebohne. Innovative Geister überschreiten dabei Grenzen wie Hannibal dereinst mit seinen Elefanten den Rubicon.
Nun bringt es mein Beruf mit sich, dass ich den Kaffee in der Regel nicht selber zubereite, sondern die Bestellung den Kolleginnen und Kollegen der Kabinenbesatzung weitergebe. Wobei sich grundsätzlich drei Varianten anbieten: Cappuccino, Espresso oder der gewöhnliche Filterkaffee. Erstgenannter kommt aus dem Beutel und ist meist schlecht gerührt, was eine unappetitliche Klumpenbildung zur Folge hat, zweiter wird mit der bordeigenen und den Besatzungen wenig vertrauten Nespressomaschine präpariert und und dritter tröpfelt abgestanden aus der Filtermaschine. Meine arme Seele ist jedoch auf die Hilfe des Koffeins angewiesen, um die quälenden Nacht(flug)-Stunden zu überstehen.

Andere Länder, andere (Kaffee-)Sitten
Etihad beschäftigt bekanntlicherweise Flight Attendants aus über 70 verschiedenen Herren Länder mit unterschiedlichen Kaffeekulturen. Daher geht mit der Bestellung eines Kaffees immer eine gewisse Spannung einher, ob denn nun das georderte Gebräu den persönlichen Vorstellungen entspreche.
Um es gleich vorwegzunehmen; in der Regel tut es das nicht!

Die triste Realität zeigt, dass beim Bestellen eines Kaffees mit allem gerechnet werden muss, was getränketechnisch zwischen lauwarmer Ovomaltine und gequirltem Zuckerwasser angeordnet werden kann. Mal dunkel wie die Nacht, dann wieder hell wie Wüstensand. Gefüllt in Plastikbecher, Servietten umwickelte Gläser bis hin zur eigentlichen Kaffeetasse. Was mir noch fehlt ist der Espresso in der Suppentasse oder der Cappuccino in der Dessertschale. Willkürliche Zuordnungen bar jeglicher Kaffee-Ethik. Schliesslich gehe ich für eine Darmspiegelung auch nicht zum Dermatologen und suche das Gemüse ebensowenig in der Auslage der Metzgerei.
In der Regel geht die Bestellung über zu viele Stellen, Sprachen und Dialekte, so dass Missverständnisse an der Tagesordnung sind. The „clash of cultures“ manifestiert sich auf eindrückliche Weise bei der Zubereitung des Kaffees. Arabischer Kaffee, Türkischer Kaffee, Kaffee aus Kenia oder Sibirien – sie sind so verschieden wie Tim und Struppi, Max und Moritz oder Fix und Foxi.
Der Espresso im Mineralwasserglas, auch „Tumbler“ genannt, ohne den verlockend züngelnden Schaum auf der Oberfläche, reizt mich genauso wenig wie eine gut gefüllte Tasse, deren Unterteller bereits bei der Entgegennahme deutlich feuchte Spuren des überschwappenden Inhalts zeigt. Viele unserer Flight Attendants trinken selber keinen Kaffee und sind sich der Qualitätsunterschiede leider nicht bewusst. Sie geben sich zwar Mühe, dessen bin ich mir sicher, doch leider mit mässigem Erfolg.
















Selten so gesehen bei Etihad

So werde ich – in Anbetracht einer adäquaten Alternative – zweifellos auch in Zukunft meine Müdigkeit mit wässrig-lauwarmem Kaffee oder klumpigem Cappuccino bekämpfen. Dabei träume ich immer wieder den gleichen Traum: eine mitleidsvoll lächelnde Hostess der SWISS erscheint und reicht mir auf silbernem Tablett den perfekt geschäumten Espresso in der Nespresso-Tasse. Begleitet von einer dezent drappierten Auswahl feinster Lindt & Sprüngli Pralinés. Himmlische Genüsse im wahrsten Sinne des Wortes. Leider ohne jeglichen Bezug zur emiratischen Realität!