Ein Fliegerleben ist gespickt mit Anekdoten. Mit kleinen, grossen, lustigen, traurigen. Es gibt oberflächliche und unvergessliche Episoden, wahre und unwahre. Solche, die unter die Haut gehen, andere, die an der frisch gereinigten Uniformjacke abperlen. Geschichten im Inland wie im Ausland. Im Cockpit, im Galley oder im Crewbunk. In grossen und in niedrigen Flughöhen. Solche, die Mann oder Frau freudig und voller Stolz erzählen, und andere, die sie lieber für sich behalten.
Im Folgenden ein Müsterchen aus der immerlustigen Welt der Einsatzplanung.
Der Juni ist mein letzter Monat bei Etihad. Eigentlich ist es nur ein halber, denn am 16ten beginnen meine Ferien. Damit verbleiben mir zwei Flugwochen. Im kürzlich eingeführten PBS (Preferential Bidding System) habe ich einen Freiwunsch platziert: vom zweiten bis am fünften Juni. Man solls ja nicht übertreiben und zuviel verlangen. Mit diesem Block würde ich Lindas Graduation-Feier und unsere, mit Hirschhäusers umsichtig eingefädelte, Farewell-Party abdecken.
Die Idee eines PBS ist – wie der Name unmissverständlich belegt – individuelle Präferenzen und Einsatzwünsche der Crewmitglieder zu befriedigen. Nun, die praktische Umsetzung des Vorhabens gelingt nicht immer; wir wissen um die überhöhten Erwartungen, die mit dem besagten Verb verknüpft werden; auch in anderen Lebensbereichen...
Dank meiner Flight Safety-Funktion geniesse ich erweiterten Zugang zum Planungssystem. Gestern habe ich, ganz spontan, einen Blick auf den aktuellen Stand der Dinge geworfen. Ein bisschen staunen musste ich schon.
Mein Juniplan beginnt mit einem Flug nach Sydney: akkurat vom zweiten bis am fünften! Bingo! Ihr erinnert euch an meinen, weiter oben erwähnten, Freiwunsch. Am siebten steht eine London-Rotation an, und als krönender Höhepunkt – der allerletzte Etihad-Flug meiner Karriere – hat mir irgendein innovativer Kreativkopf den jährlichen Linecheck geplant! Zur Abwechslung nach London, denn da war ich ja schon lange nicht mehr. Warum auch nicht ein kleiner Prüfungsflug zum Abschluss von fünf amüsanten Flugjahren? Mal sehen, was der Eppler alles in der Wüste gelernt hat.
Ich habe dann doch, nach kurzem Reflektieren, der verantwortlichen Planerin und dem Chefpiloten eine Mailinfo geschickt. Sie mögen doch bitte...
Erfreulicherweise kam die Antwort postwendend. Und gab zu verhaltenem Optimismus Anlass. Heute war der Sydney-Flug verschwunden und durch Freitage ersetzt. Grosses Aufatmen und herzlichen Dank!
Auch mein Linecheck wurde gestrichen; allerdings nur für mich. Der Checkpilot kommt trotzdem mit und schaut ausschliesslich dem Copi ein bisschen auf die zittrigen Finger. So einfach lässt er sich nicht abschütteln. Er spekuliert wohl auf einen Gratisdrink.
In fremden Händen
1 day ago











